Australiens Airline Qantas: Schlichter ordnet Streikende an

Entgegen dem Willen der Gewerkschaften wird der monatelange Arbeitskampf bei Qantas beendet und nicht nur ausgesetzt. Die Airline will ab Montagnachmittag wieder weltweit fliegen.

Mussten am Boden bleiben: die Maschinen der Qantas-Flotte. Bild: dapd

SYDNEY afp | Nach der vollständigen Einstellung des Betriebs der australischen Fluglinie Qantas im Zuge eines Streiks muss das Unternehmen seinen Flugverkehr wieder aufnehmen. In der Nacht zum Montag (Ortszeit) ordnete ein Schiedsgericht das sofortige Ende des Arbeitskampfs an. Zehntausende Passagiere hatten am Wochenende auf Flughäfen in aller Welt festgesessen.

Das Schiedsgericht für soziale Konflikte, Fair Work Australia, erklärte nach einer Marathonsitzung, den Streik nur auszusetzen sei "kein ausreichender Schutz gegen das Risiko bedeutsamer Schäden" in der "besonders verletzlichen Tourismusindustrie". Die Gewerkschaften hatten sich dafür ausgesprochen, den Arbeitskampf für bis zu 120 Tagen auszusetzen, um Verhandlungen zu führen.

Qantas-Chef Alan Joyce erklärte, ab Montagnachmittag könnten die Flugzeuge wieder in der Luft sein. Die Entscheidung des Schiedsgerichts gebe den Qantas-Passagieren Sicherheit. Zugleich entschuldigte sich Joyce bei den Fluggästen für die ihnen durch die Streiks "seit Monaten und besonders in den vergangenen Tagen" entstandenen Unannehmlichkeiten.

70.000 Passagiere am Wochenende betroffen

Auf den großen Flughäfen der Welt und überall in Australien machten Passagiere von gestrichenen Qantas-Flügen ihrem Ärger über das Management der Fluggesellschaft Luft. Nach Angaben von Qantas blieben seit Samstag über hundert Flugzeuge in 22 Städten am Boden. Rund 70.000 Passagiere waren demnach von der Einstellung des Flugverkehrs betroffen.

Qantas-Chef Joyce hatte am Samstag in Sydney als Reaktion auf die andauernden Streiks die Einstellung des weltweiten Flugverkehrs verkündet. Das streikende Personal sei unabdingbar für die Abwicklung der Flüge, daher sei die Airline gezwungen, ihre Maschinen am Boden zu lassen, begründete Qantas die drastische Maßnahme. Dies gelte unbefristet und so lange, bis eine Einigung mit den Gewerkschaften gefunden sei.

Mit den Streiks protestierten Mitarbeiter der Gepäckabfertigung, Ingenieure und Piloten seit Monaten gegen Sparpläne und geplante Umstrukturierungen bei Qantas. Unter anderem fürchten sie den Verlust von rund tausend Jobs und die Auslagerung von Stellen nach Asien. Die Arbeitsniederlegungen kosteten die Fluggesellschaft bisher pro Woche rund 15 Millionen australische Dollar (gut 11,3 Millionen Euro).

Piloten fordern Entlassung von Qantas-Chef

Ein Rechtsberater der australischen Regierung von Premierministerin Julia Gillard bezifferte die volkswirtschaftlichen Schäden des Flugstopps für das Land auf "dutzende Millionen Dollar" pro Stunde. Gillard warnte vor den wirtschaftlichen Folgen des Flugstopps und sagte, die Regierung wolle den Streit "mit Gewissheit" für alle Seiten beenden.

Die australischen Piloten reagierten empört auf den Betriebsstopp und erklärten, Qantas halte "ein Messer an die Kehle der Nation". Die Pilotenvereinigung sprach angesichts des Stopps aller Flüge von einer "Überreaktion" und forderte die Entlassung von Qantas-Chef Joyce.

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