Australian Open: Heiß, heißer, Melbourne

Die unmenschliche Hitze beim ersten Grand Slam des Jahres fordert erste Opfer: Mit Titelverteidiger Novak Djokovic verabschiedet sich der erste große Favorit völlig entkräftet.

Novak Djokovic musste in Melbourne aufgeben. Bild: reuters

MELBOURNE taz Die heiße Phase der Australian Open 2009 hat begonnen. Was in den nächsten Tagen in der Rod Laver Arena passieren wird, das wissen nur Hellseher. Über die dabei zu erwartenden Bedingungen haben deren weltliche Kollegen vom Wetteramt dagegen eine recht reelle Vorstellung. Die sagen noch bis einschließlich Samstag Temperaturen von 40 Grad und darüber voraus, was selbst für Melbourne eine Seltenheit wäre. Fünf Tage in Folge mit solchen Temperaturen gab es zuletzt im Jahr 1908.

Montag zog der erste Schub mit heißer Luft herüber, und darin verbrannten die Hoffnungen des Titelverteidigers. Novak Djokovic gab im Viertelfinale gegen Andy Roddick mit Krämpfen im ganzen Körper und allgemeiner Erschöpfung auf. Dabei hatte das Spiel noch unter recht normalen Bedingungen stattgefunden - die Temperatur war von 27 am Anfang auf knapp 35 Grad gestiegen. Für einen austrainierten Profi sollte das kein Problem sein, doch Djokovic meinte hinterher, er habe sich von der Partie in der Runde zuvor gegen Marcos Badhdatis nicht erholt. Die war in der Nacht zum Montag um halb drei zu Ende gegangen. Bis er zum Schlafen gekommen sei, sei es sechs gewesen, und am Tag habe er überhaupt nicht trainieren können. Seine Bitte an die Turnierleitung, das Spiel gegen Roddick für Dienstagabend und nicht für den Nachmittag ins Programm zu nehmen, wurde nicht erhört.

Mit leerem Blick zog Djokovic von dannen, aber er war nicht der Einzige, dem es an diesem Tag nicht allzu toll ging. Juan Martin del Potro machte ein paar Stunden später einen ähnlich ramponierten Eindruck, obwohl er doch abends bei angenehmen 25 Grad spielen durfte. Der Grund war sein Gegner Roger Federer. Der brauchte nicht mehr als 80 Minuten zum Sieg und spielte dabei derart unwiderstehlich, dass er hinterher selbst zugab, das sei nicht normal gewesen. Er ließ den fast zwei Meter langen Argentinier wie einen kleinen Lehrling aussehen - dabei ist der doch immerhin die Nummer sechs der Welt.

Im ersten Satz wirkte das Verhältnis der Kräfte noch halbwegs normal, aber danach sah es so aus, als klebe del Potro am Boden und als schwebe Federer zwei Etagen darüber. "Mit dieser Leistung habe ich selbst nicht gerechnet, meinte er danach sichtlich zufrieden, "aber plötzlich hat es klick gemacht."

Nun steht er zum 19. Mal in Folge, zum 21. Mal insgesamt im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers, und falls die Botschaft aus dem Spiel gegen del Potro stimmt, dann ist er auch auf dem Weg ins 18. Finale. Wofür auch der Blick auf die bisherige Bilanz in den Spielen mit Andy Roddick spricht, in der 15 Siege auf seiner Seite und nur 2 auf der Seite des Herausforderers stehen.

Auch die Australier sind dabei, sich über die neue, alte Klasse von Meister Federer zu freuen. Denn bedauernd verfolgten sie am Dienstag das Ende der fast märchenhaften Rückkehr von Jelena Dokic. Die gab trotz ihrer zwei Tage zuvor erlittenen Fußverletzung noch mal alles, verlor aber im hochgradig spannenden, doch spielerisch arg enttäuschen Viertelfinale gegen Dinara Safina in drei Sätzen. Die dauerten eine Stunde länger als die Lehrstunde von Federer danach. Oder andersrum: Er wartete länger auf seinen Höhenflug, als der schließlich dauerte.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de