: Außenmini im Nebel
Johann Wadephuhl will defensiv verteidigen
Johann Wadephul wirkt immer so, als ob er angesichts der schrecklichen Probleme dieser Welt am liebsten sofort wieder ins Bett gehen und sich die Decke über den zerknitterten Kopf ziehen wollte. Auch sprachlich ist der Bundesaußenminister eher ein dem nordischen Nebel seiner zwischen den Meeren liegenden Heimat verpflichteter Defensivspieler. Am Dienstag erklärte Wadephul, dass die Bundeswehrsoldaten im Nahen Osten sich gegen Angriffe aus Iran „defensiv verteidigen“ dürften. Defensiv verteidigen? Ist das so was wie körperlicher Geschlechtsverkehr? Auf alle Fälle ist es ein weißer Schimmel, doppelt gemoppelt, ein Pleonasmus. Bedeutet „defensiv“ doch „der Verteidigung dienend“. Dann wäre „defensiv verteidigen“ also „verteidigendes Verteidigen“. Es könnte aber sein, dass Wadephul sein diplomatisches Sprachgefühl auf der Sporthochschule erworben hat. Denn im Fußball gibt es tatsächlich das defensive Verteidigen. Durch Kompaktheit, enge Abstände zum Gegner und kontrolliertes Stellungsspiel werden Räume geschlossen und Risiken minimiert. Angriff ist nämlich gar nicht die beste Verteidigung, weshalb die Bundeswehr im Iran-Krieg wohl Weltmeister wird. Denn bekanntlich gewinnt die Offensive Spiele, die Defensive aber Titel. Dank dem weltmeisterlichen Rhetorikgenie Johann „Terrier“ Wadephul.
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