Ausschreibung des panterpreises 2026 : Von dort berichten, wo keiner hinschaut
Das Motto des taz panterpreises 2026 lautet „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“. Bewerben können sich etwa Bürgermedien, Faktenchecker-Initiativen und Projekte der Medienbildung.
taz panterstiftung | Es ist ein Widerspruch: Lokalmedien genießen weiterhin ein überdurchschnittlich hohes Vertrauen bei ihren Nutzer:innen. Aber ökonomisch geht es vielen nicht gut – wenn sie ihr Erscheinen nicht sogar schon einstellen mussten. Mancherorts berichten nur noch Anzeigenblätter, die oft rechtsgerichteten Unternehmern gehören, darüber, was auf dem Land oder in einer Kleinstadt vor sich geht.
Doch geht die globale Krise herkömmlicher Medien weit über das Lokale hinaus. Es ist häufig von „Lügenpresse“ die Rede, Journalist:innen werden angefeindet und es wird ihnen eine systemische Nähe zum „Establishment“ unterstellt, zumal wenn sie beim „ÖRR“ arbeiten.
Dabei braucht die Demokratie eine Berichterstattung, die unabhängig von milliardenschweren Eigentümern agiert. Medien, die gut recherchiert über Unerhörtes berichten können. Die den Mächtigen auf die Finger schauen. Die Fake News ebenso entlarven wie Desinformationen menschenfeindlicher Ideologen.
Untersuchungen aus den USA zeigen: Dort, wo es keinen Journalismus mehr gibt, sinkt die Wahlbeteiligung, die Menschen wählen polarisierter und sie sind schlechter über das informiert, was vor Ort passiert.
Zu denen, deren Augenmerk vornehmlich auf dem Lokalen liegt, zählen auch sogenannte Bürgermedien – wie die zahlreichen Freien Radios, die es mittlerweile seit über 40 Jahren in Deutschland gibt. Ohnehin gehören zur hiesigen Medienlandschaft viele kleinere Projekte, manchmal arbeiten sie ehrenamtlich, oft sind sie unterfinanziert.
Einige halten sich durch Spenden und Crowdfunding am Leben, andere durch öffentliche Gelder, auch wenn diese inzwischen oft gekürzt werden. Sie berichten über spezifische Themen, die in den großen etablierten Medien untergehen.
Ein Preis für unabhängige Medien
Die taz panterstiftung schreibt den panterpreis 2026 darum für unabhängige Medienprojekte aus – neben Lokal- und Bürgermedien auch für Faktenchecker-Initiativen, Projekte der Medienbildung an Schulen, Webseiten, die aus der Provinz ehrenamtlich über rechte Umtriebe berichten, Gefängnis- und Studierendenzeitungen sowie genossenschaftliche und gemeinwohlorientierte Plattformen.
Bis zum 5. April können sich hier sowohl Medien bewerben, die es bereits seit vielen Jahren gibt und die vielleicht tatsächlich noch in gedruckter Form erscheinen. Aber auch Formate, die im digitalen Raum entstanden sind und die technischen Möglichkeiten des Internets nutzen. Oder Projekte, welche an Schulen die im Unterricht zu kurz kommende Medienbildung von Kindern und Jugendlichen fördern.
„Medien von unten“ sind ein integraler Bestandteil zivilgesellschaftlichen Engagements, ihre Arbeit ist ein Akt demokratischer Selbstermächtigung und der politischen Teilhabe.
Wir wollen diesen Medien und ihren Macher:innen mit dem diesjährigen taz panterpreis eine Bühne bieten – und oft im Hintergrund stehende Akteur:innen bei der Preisverleihung Mitte Oktober 2026 während der Hamburger Woche der Pressefreiheit ins Rampenlicht stellen.
🐾 Irene Scheda, Eventmanagerin der taz Genossenschaft, und Ole Schulz, Projektkoordinator der taz panterstiftung, organisieren gemeinsam den taz panterpreis: taz.de/panter