piwik no script img

Auf und davon

■ Einer der GUS-Kidnapper geflüchtet

Berlin. Katzenjammer bei der Polizei. Vor ihren Augen flüchtete am Mittwoch einer der russischen Kidnapper, der erst zwei Tage zuvor bei einer spektakulären Kommandoaktion im Hotel Unter den Linden festgenommen worden war. Wie berichtet, hielten dort insgesamt sechs Männer aus der GUS ein Ehepaar fest, um von den gutbetuchten Eltern – russischen Spielbankbesitzern – rund eine Million Mark zu erpressen.

Der bis jetzt spurlos verschwundene Entführer, der 33jährige Alexander S., war am Mittwoch mit Beamten zu einer Ortsbesichtigung. Er sollte den Polizisten die Wohnung im Bezirk Mitte zeigen, in dem er zusammen mit seinen fünf Kumpanen das Ehepaar und eine weitere Person vor dem Hotelaufenthalt versteckt hatte. Wie der Leiter der ermittelnden Mordkommission, Horst Brandt, der Nachrichtenagentur dpa erzählte, habe der 1.80 Meter große und kräftige Ex-Entführer die Polizisten zur Seite geschubst, sei über mehrere Häuserdächer gelaufen und schließlich mit einem gestohlenen Fahrrad davongeradelt.

Die sportliche Selbstbefreiung sei möglich gewesen, weil die Beamten dem Kidnapper zuvor die „Handfesseln“ gelöst hätten. Denn angeblich hätte er gehumpelt, weil er sich bei der Festnahme am Montagabend am Bein verletzt hätte. Dieser irritierende Widerspruch war gestern nicht zu klären. Gegen zwei der anatomisch gebildeten Polizisten seien disziplinarische Vorermittlungen eingeleitet worden, berichtete Brandt.

Ebenfalls vermißt werden noch 245.000 Mark des von den Spielbankbesitzern bereits gezahlten Lösegeldes von 290.000 Mark. Gesucht wird auch noch der große Unbekannte, der die Entführung angeordnet hat. aku

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen