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Assistenz statt Betreuung

■ Positive Bilanz der Assistenzgenossenschaft: ambulante Hilfe

Assistenz statt Betreuung

Positive Bilanz der Assistenzgenossenschaft: ambulante Hilfe

Kein Klagelied war zu hören, sondern Erfolgsmeldungen und Zukunftspläne, als die Bremer „Assistenzgenossenschaft“ vor JournalistInnen nach zweijährigem Bestehen Bilanz zog. Wo andere Verbände verzweifelt Pflegepersonal suchen und um die Zukunft bangen, schmieden die MacherInnen der Genossenschaft bereits Erweiterungspläne. Der Grundgedanke: Menschen, die stundenweise oder ganztägig Hilfe brauchen, weil sie zum Beispiel körperbehindert sind, sollen sich nicht den „betreuenden“ und „pflegenden“ Einrichtungen auf Gedeih und Verderb ausliefern müssen. Wer im eigenen Haushalt oder zur Körperflege Unterstützung braucht, soll sich nicht nach den Dienstplänen eines Trägers „versorgen“ lassen müssen. Bei der „Assistenzgenossenschaft“, die in Bremen seit zwei Jahren tatsächlich funktioniert, sind die Behinderten nicht die Fürsorge-EmpfängerInnen, sondern schlicht ArbeitgeberInnen für ihre „Assistenten“. Monatlich werden inzwischen 3.600 Stunden für 17 Behinderte organisiert. Dafür stehen 30 „AssistentInnen“ sowie über einen Kooperationsvertrag mit dem sozialen Friedensdienst mehrere Zivildienstleistende zur Verfügung.

Für Horst Frehe, Mitglied im Aufsichtsrat der Genossenschaft und Mitbegründer, ist es am wichtigsten, „daß die Betroffenen ihr Leben selbst organisieren, daß sich die Assistenz nach ihren Bedürfnissen, ihrem Zeitplan richtet“. Wer für Stunden oder rund um die Uhr Assistenz braucht, entscheidet hier selbst, welche Person helfen soll, die Arbeitsverträge sind personenbezogen. Die Betroffenen behalten auch selbst die Finanzhoheit über ihre Angelegenheiten; sie schließen mit der Genossenschaft einen Vertrag über Assistenz-Leistungen, sie bekommen dafür eine Rechnung und beantragen das nötige Geld bei den Kostenträgern — auf Wunsch mit Unterstützung. Welche Handgriffe nötig sind, welche Hilfe erwünscht ist, das entscheiden die Behinderten.

Daß hier Bevormundung möglichst ausgeschaltet wird, ist auch für die „AssistentInnen“ eine Befreiung, sie sind normale ArbeitnehmerInnen mit klar geregelten Verträgen. Bisher hatte die Genossenschaft keine Personalprobleme. Manchmal können bestehende familiäre Pflege-Verhältnisse so versachlicht und auch finanziert werden.

Von der Flexibilität der Assistenz-Genossenschaft, nach eigenen Angaben ein bundesweit einmaliges Projekt, lernen auch die etablierten Verbände. So sind etwa interessiert an dieser Idee: Mit einem City-Pieper werden Bereitschaften für Nachtstunden organisiert, die Sicherheit bringen, aber keine Dauer-Anwesenheit erfordern. Für Rollstuhlfahrer Gerd Morbe optimal: „Wenn ich Hilfe brauche, kann jemand kommen — aber ich kann auch allein was machen.“

Frehe ist erfreut über die 2-Jahres-Bilanz und „richtig in Gründerlaune“: Mit einem neuen „Ausgliederungs-Projekt“ sollen demnächst je acht geistig- und körperhinderte Menschen aus stationären Einrichtungen befreit und werden können. S.P.

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