Asse-Inventar stimmt nicht: "Man kann den Daten nicht trauen"

Greenpeace-Untersuchung weist nach, dass wesentlich mehr radioaktives Tritium im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse lagert als bislang von den ehemaligen Betreibern angegeben.

Die vom Helmholtz-Zentrum aufgelisteten Einlagerungsdaten für die Asse können nicht stimmen. Bild: dpa

HANNOVER taz | Die offizielle Schätzung des radioaktiven Inventars des Atommülllagers Asse ist grob fehlerhaft. Das hat die Umweltorganisation Greenpeace jetzt anhand der Angaben zu den Tritiumspuren in den 126.000 in dem Bergwerk eingelagerten Atommüllfässern nachgewiesen. Nach der Schätzung, mit der der ehemaligen Betreiber das radioaktive Inventar der Asse nachträglich bestimmte, sollten in den Fässern Anfang des Jahres 1980 rund 2.870 Gigabecquerel Tritium enthalten sein. Greenpeace zufolge hat das Helmholtz Zentrum den Tritiumgehalt der Abfälle jedoch drastisch unterschätzt. Wahrscheinlich sei 4- bis 5-mal mehr Tritium als angegeben in den Atommüllfässern enthalten, sagte am Donnerstag in Hannover der Physiker und Greenpeace-Berater Helmut Hirsch.

Hirsch hat in einer Expertise die offizielle Inventarangabe mit den Spuren von Tritium verglichen, die mit der Abluft laufend aus dem Bergwerk bei Wolfenbüttel entweichen. Das Tritium in der Abluft wird immer wieder gemessen. Die Jahresmenge des an die Umwelt abgegeben Tritiums wird veröffentlicht. Bei einer einfachen Addition der Tritiumemissionen stellte Hirsch nun fest, dass die Bergwerkschächte von 1980 bis 2007 mehr Tritium an die Umwelt abgegeben hatten, als die Abfälle insgesamt enthalten sollten.

Die Tritiumemissionen summierten sich auf 2.900 Gigabecquerel und lagen damit über dem geschätzten Tritium-Gesamtinventar. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nur ein Teil des Tritiums vor dem Zerfall aus dem Atommüll und dem Bergwerk entweicht. Das Radionuklid hat eine Halbwertszeit von nur 12,3 Jahren. Weiteres Tritium muss sich zudem noch in den Abfällen befinden.

Für die Langzeitsicherheit hat der Tritium-Schätzfehler des ehemaligen Betreibers allein zwar keine Bedeutung. Auch nach der Rechnung von Greenpeace sind in den Asse-Abfällen insgesamt nur 60 Milligramm des stark strahlenden Tritiums enthalten. Aber die Umweltorganisation befürchtet, dass bei der nachträglichen Bestimmung des Asse-Inventars auch die Mengen der übrigen Radionuklide stark unterschätzt wurden.

"Man kann den Einlagerungsdaten nicht trauen", sagte Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer. Umweltminister Gabriel müsse sich von den AKW-Betreibern eine lückenlose Aufstellung über den in die Asse gebrachten Müll vorlegen lassen, verlangte er.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) führt derzeit eine Neubewertung des in dem Bergwerk eingelagerten radioaktiven Inventars durch. "Wir prüfen die Plausibilität der bisherigen Mengenabschätzung", sagte Bundesamts-Sprecher Florian Emrich. Das Beispiel Tritium zeige, dass diese Prüfung notwendig sei. Eine Gefahr für das Personal oder die Umwelt seien die Tritiumspuren in der Abluft des Bergwerkes nicht, versicherte der BfS-Sprecher.

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