Der Welt ging es 2025 nicht gut: Klima, Trump, Nazis, zu viele Männer mit Knall an der Macht. Das vergangene Kontext-Jahr dagegen war aufregend, voller Veränderungen und mit einem Teenager in der Wachstumsphase.
Als Staatsanwältin hat Anne Brorhilker zum Cum-Ex-Skandal ermittelt, dem größten Steuerraub der deutschen Geschichte. Inzwischen setzt sie sich bei der Bürgerbewegung Finanzwende für ein entschiedeneres Vorgehen gegen Finanzkriminalität ein. Vergangenen Sonntag erhielt sie den Friedenspreis der Stuttgarter AnStifter. Ein Gespräch.
Bosch hat einmal viel Wert auf soziale Verantwortung gelegt. Nun aber werden Standorte ohne Not dichtgemacht, Arbeitsplätze gestrichen. Die neue Boschwelt prägen Manager, die mit der alten nichts zu tun haben wollen. Und die sich praktischerweise selbst kontrollieren.
Kontext hat Beamt:innen aus dem Südwesten mit einer AfD-Mitgliedschaft recherchiert. Polizisten sind besonders stark vertreten. Das wirft die Frage auf: Können Menschen der freiheitlich demokratischen Grundordnung und gleichzeitig einer rechtsextremen Partei dienen?
Mit dem „Walk for Freedom“ soll auf Menschenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam gemacht werden. Für den 18. Oktober rufen unter anderem in Stuttgart und Ludwigsburg verschiedene Gruppen zu einem Schweigemarsch auf. Dass hinter der Aktion Evangelikale stecken, ist nur wenigen bewusst.
Die Stuttgarter CDU will Asylbewerber:innen zur gemeinnützigen Arbeit für 80 Cent pro Stunde verpflichten. Freiwilligkeit habe bisher nicht funktioniert, argumentiert sie. Diejenigen, die solche Arbeitsplätze anbieten, zeichnen ein völlig anderes Bild.
Nach einer Hausbesetzung kam die Wilhelm-Raabe-Straße 4 in Stuttgart-Heslach in die Schlagzeilen. Sieben Jahre nach der Räumung stehen die Wohnungen immer noch leer – angeblich, weil die ganze Zeit saniert wird, wie die Eigentümerfamilie aus London sagt. Die Stadtverwaltung hat lange zugesehen und macht jetzt ernst.
Dass wir das noch erleben dürfen: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bewertet „Stuttgart 21“ neu und warnt vor diesem „Menetekel“. Die Abrechnung hätte auch in Kontext stehen können.
Europas größte Wohnungsgesellschaft Vonovia will wieder Gewinn machen. Dafür lässt sie in Stuttgart Sozialwohnungen aus der Bindung fallen und setzt auf deutlich erhöhte Mieten, wie Dokumente aus dem Rathaus zeigen. Die bisherigen Mieter:innen müssen sehen, wo sie bleiben.
Nun also Bosch in Leinfelden. Das Werk, in dem seit 70 Jahren Elektrowerkzeuge gebaut werden, soll bis Ende 2026 weg, sagt der Vorstand. Er will in Ungarn produzieren. Auch die Werkzeug-Fertigung im sächsischen Sebnitz will Bosch schließen. 500 Frauen und Männer verlieren ihre Arbeit. Dabei nagt der Konzern nicht gerade am Hungertuch.
Verkehrstote dürfen nicht als Normalität hingenommen werden: Nach dem tödlichen Unfall am Stuttgarter Olgaeck fordert die Autorin und Fahrrad-Aktivistin Christine Lehmann Konsequenzen.
Vor Kurzem hat Kontext berichtet, dass in Quellen nahe des Bad Wimpfener Solvay-Werks exorbitant hohe Werte der PFAS-Ewigkeitschemikalie TFA gefunden wurden. Jetzt wurde bekannt, dass Solvay nach einem Umweltskandal sein Werk im südfranzösischen Salindres geschlossen hat.
Für die Energiewende sind angeblich alle, nur nicht im eigenen Wahlkreis. In der Regionalversammlung der Region Stuttgart artet die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraft zum Geschacher aus. Das bremst den Zubau.
Im Stuttgarter Pressehaus wird gestreikt und viele gehen hin. Befeuert von Managern, die mit allem brechen, was einst halbwegs heilig war. Aber sie haben die Rechnung ohne den Betriebsratschef gemacht. Ein Blick ins Innere einer Zeitung, die aufgehört hat, eine Zeitung zu sein.
Der Waiblinger Sägen-Unternehmer Rüdiger Stihl will, dass ein vierspuriger Tunnel vor den Toren Stuttgarts gebaut wird. Eine aufwendige Werbekampagne gaukelt Naturverträglichkeit und Bürgerbeteiligung vor.
Der Kontext-Verein übernimmt mittels einer GmbH die Stadtteilzeitungen „Blättle Stuttgart-West“ und „Blättle Stuttgart-Süd“ – als Antwort auf die Lücken in der Stuttgarter Presse. Und als Signal, dass der Lokaljournalismus leben muss, wenn man ihn als eine Säule der Demokratie betrachtet.
Sie sind in Fleisch, Böden oder Muttermilch nachweisbar: PFAS. Industriechemikalien, die, einmal in der Umwelt, nicht mehr rausgefiltert werden können. Die Firma Solvay in Bad Wimpfen leitet jeden Tag 24 Kilo eines PFAS-Stoffs in den Neckar, der schon in Tröpfchenmengen hochgiftig ist. Genehmigt bis 2044.