Nicht nur in Sachsen, überhaupt in der früheren DDR steigt die Zahl von Rechtsextremen. Gewalt gegen Ausländer, so scheint es, ist ein ostdeutsches Problem. Eifrig wird nach den Ursachen für dieses Phänomen gesucht. Die sozialistische Erziehung der DDR, der Zwang zum Kollektiv, heißt es, sei schuld. Doch Neonazismus gibt es auch im Westen – trotz aller Reformpädagogik. Die Jugend antwortet mit Schlägen gegen das Fremde. Haben beide Systeme versagt? ■ Von Uta Andresen
■ In ihrer Unterschriftenkampagne fordert die Union: Vor der Einbürgerung müßten „gelungene Integration“ und eine „klare Entscheidung für Deutschland“ stehen
■ Heute wird in Leipzig der 27. Deutsche Evangelische Kirchentag eröffnet. 120.000 Besucherinnen und Besucher werden bis Sonntag im atheistischen Osten der Republik erwartet. „Auf dem Weg der Gerechtigkeit“ heißt das Motto. Es markiert das Unbehagen der Christen an der Regierungspolitik. Vier Millionen Menschen sind ohne Arbeit, die Konzerngewinne explodieren, und die Bonner Koalitionsparteien scheinen nichts dagegen zu unternehmen. Frühere Kirchentage haben immer wieder politische Fragestellunen ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt – die Friedensbewegung etwa oder die Aussöhnung mit den osteuropäischen Nachbarländern. Der Einfluß des Kirchenvolkes ist größer als der der Bonner Parteien. Schließlich reicht die Wirkung der Debatten auf einem Kirchentag bis weit in das bürgerliche Milieu der Provinz hinein. So gesehen muß die christlich-liberale Koalition eher die Aufbruchstimmung einer solchen christlichen Massenveranstaltung fürchten als einen der Parteitage der Sozialdemokraten.
■ Nürnberger Bundesanstalt meldet mit 4,65 Millionen Erwerbslosen einen neuen Nachkriegsrekord. Allein seit Dezember gab es einen Zuwachs von 510.000 Jobsuchenden. Damit ist jetzt jeder achte ohne Arbeit
■ Zum zweitenmal gedenkt heute Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus. Die Juden in Osteuropa wurden einst besonders verfolgt und werden heute besonders benachteiligt: Staatliche Entschädigung wird ihnen versagt
■ Innerhalb von nur drei Jahren hat die Zahl der Einkommensmillionäre nach 1989 um 40 Prozent zugenommen: auf rund 24.000 im Westen und 200 im Osten. Wirtschaftsforscher machen Politik der Bonner Koalition verantwortlich
■ Der US-Präsident unterzeichnet Sozialhilfereform: Nach fünf Jahren verlieren Bedürftige jeden Anspruch auf staatliche Unterstützung. Selbst Abgeordnete seiner Partei nennen das eine „bösartige Attacke gegen Arme“
■ Ein neuer Entwurf des Sozialhilfegesetzes will über eine halbe Million AusländerInnen unters Existenzminimum zwingen / Sachleistungen statt Geld / Erhoffte Einsparung: 1,3 Milliarden Mark
Opposition im Bundestag fordert Beteiligung des Volkes und des Parlaments am Einigungsprozeß / Regierung sieht keinen Grund für Ängste ■ Aus Bonn Gerd Nowakowski