Kölner Attraktion

Die „Harald Schmidt Show“ ist in den vergangenen Jahren zu einer Kölner Attraktion geworden, auch wenn sie allabendlich in der Regel nicht mehr Menschen sahen, als tagtäglich in den Dom pilgern. Trotzdem: Die Bewerbung Kölns im kommenden Jahr als „Kulturhauptstadt Europas“ dürfte durch die Absetzung der TV-Sendung nicht Erfolg versprechender geworden sein.

Es gibt viele bescheuerte Fernsehsendungen. Manche haben gute Einschaltquoten, manche eher bescheidene. Manche werden von dümmlichen Moderatorinnen präsentiert, andere von dumpfbackigen Moderatoren. Was jedoch Sendungen wie „Kerner“, „Sabine Christiansen“ oder Jauchs „Stern TV“ gemeinsam haben: Sie wollen einfach nicht aus dem Programm verschwinden. Woche für Woche wird gesendet bis zum Erbrechen und kein Ende ist absehbar.

Da ist es doch eine gute Meldung, wenn doch einmal ausnahmsweise die Fernsehgewaltigen ein Einsehen haben und ein solches unerträgliches Format wider Erwarten vom Bildschirm verschwinden soll. Die Rede ist von „Bunte TV“, dieser völlig hirnlosen ARD-Sendung, in der seit ein paar Wochen, aber glücklicherweise nicht mehr lange „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel laut Eigenwerbung „Stars so zeigt, wie sie keiner kennt“ – und auch keiner und keine kennen will.

Mit der „Harald Schmidt Show“ verhält es sich hingegen etwas anders. Das Interessante am Late-night-Entertainer Schmidt ist, dass er etwas schaffte, was sonst nur der Kölner Karneval schafft. Er sprach ein Publikum an, das aber auch gar nichts miteinander gemein haben will. Denn im Kölner Karneval verfällt nicht nur der gewöhnliche deutsche Stammtischbruder in Pappnasenekstase, sondern schunkeln auch bunt verkleidete Linksradikale in den ansonsten autonomsten und schwärzesten Kneipen zu Karnevalsliedern – ironisch gebrochen, natürlich.

Während das indes für Nicht-Kölner völlig unverständlich ist, heimste Harald Schmidt Grimme-Preise ein. Zurecht. Weswegen es die Ankündigung seines Abgangs ja auch gleichzeitig auf die Titelseite der Bild und der Financial Times Deutschland schaffte. Und es wäre nicht unwahrscheinlich, wenn sogar konkret trauern würde.

Nach dem Scheitern von „Bunte-TV“ im Ersten soll übrigens mit Privatsendern über eine Weiterführung verhandelt werden. Vielleicht schlägt ja SAT.1 zu. Hinter „alphateam – Die Lebensretter im OP“ würde Riekels Münchner Promi-Mist auch wirklich besser passen als Schmidts Schnauze.

Die Kölner jedenfalls müssen jetzt nicht länger schlechten Gewissens auf den schmuddeligen Ex-Kirch-Sender zappen, sondern können wieder zum guten, alten kölschen WDR zurückkehren. Dort wird bestimmt bald „Schmidteinander“ wiederholt. Ansonsten fängt demnächst die „Stunksitzung“ wieder an – und man braucht keine Angst mehr haben, am Abend des Besuchs im Fernsehen etwas zu verpassen. PASCAL BEUCKER