wie geht es uns, herr küppersbusch?

Memme Möritz, Sanna „Sisu“ und die gelöschten Daten der Ex-Verteidigungsministerin von der Leyen

Foto: Wächter/Caro

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Der Spiegel titelt „Wie viel Wahrheit steckt in der Bibel“.

Und was wird besser in dieser?

Immer diese Relotius-Affäre!

Daten des Diensthandys der Ex-Verteidigungsministerin von der Leyen sind gelöscht worden. Und Scheuers Verkehrsministerium ließ beim Mautskandal nachträglich Akten als vertrauliche Verschlusssache einstufen. Wie steht es mit der Transparenz in dieser Bundesregierung?

Die Süddeutsche erinnert an die „Bundeslöschtage“ im Kanzleramt vor der Übergabe Kohls an Schröder. Wenige Wochen nach Enttarnung der „NSU“-Mörderbande vernichtete der Verfassungsschutz fallbetreffende Akten – „Routinevorgang“ klang unfreiwillig ehrlich. Im Fall der Allerberatensten stümperten Untergebene hintereinander folgende Ausreden vor: Das Handy ist nicht da; dann suchte man die PIN-Nummer, und als man beides offenbar hatte, war das Gerät „beim Hersteller gelöscht worden“. Was konkludent und nebenskandalös bedeutet, dass der Hersteller ein Dienstgeheimnis-Mobtel ungelöscht in die Finger bekam. Nun mögen Nerds einschätzen, ob „gelöscht“ ein Häkchen an der Datei bedeutet oder tatsächliche physische Löschung – in ersterem Fall wäre die vierte Ausrede fällig. Der Grüne Obmann im Verteidigungsausschuss, Tobias Lindner, hat den Löschzug nun angezeigt mit der feinen Pointe, das Ministerium selbst habe schon im Februar vorsorglich Weisung erteilt „betreffende Unterlagen (auch in elektronischer Form) … zu erhalten.“ Wenn der Russe doch einmal so fies wäre, wie viele behaupten, könnte er die Daten rüberreichen.

CDU-Kreisvorstand Robert Möritz war in der rechtsextremen Szene unterwegs und tritt nun aus der Partei aus. Entnazifizierung erledigt?

Möritz ist ’ne Memme. SS-Männer mit Blutgruppentätowierung unterm Oberarm haben sich nach Kriegsende in die Achsel geschossen, oder ein Frontmetzger messerte es solidarisch heraus. Er findet nicht mal ein Laserstudio, sich die ebenfalls von der SS benutzte „Schwarze Sonne“ vom Ell­bogen rasieren zu lassen. Lusche.

Die neue finnische Regierungschefin Sanna Marin ist für die 24-Stunden-Woche. Eine gute Work-Life-Balance?

Marins Partnerinnen in ihrer 5-Parteien-Koalition sind ebenfalls Anfang 30, das amtliche Foto der neuen Regierungsspitze wirkt wie ein Misstrauensvotum gegen die Spice Girls. Also Frauen, die eine direkte Linie aus ihrer Lebensepoche zum politisch Wünschenswerten ziehen. Wenn sie den Schwund in Mikroelektronik und Holzindustrie auffangen, während sie weniger arbeiten, sind sie ­ziemlich Sisu: die finnische Nationaltugend aus Kraft, Beharrlichkeit und Ausdauer. Sie haben ja Zeit.

Der Bundesrat hat dem Klimapaket zugestimmt. Hat Greta freitags jetzt frei?

Sanna Marins Koalitionspart­nerinnen sind ebenfalls Anfang 30, das amtliche Foto der neuen Regierungs­spitze wirkt wie ein Misstrauens­votum gegen die Spice Girls

Die Grünen haben den CO2-Preis hochgedrückt und schlingen mehr Geld für Autopendler. Bahnfahren wird billiger und mittelfristig Strom. Eine informelle Kenia-Koalition, die Bürgerbewegung war schneller als die Wähler. Vermutlich wäre es in Thunbergs Interesse, wenn das weniger mit ihr zu tun hätte, als es derzeit noch hat.

Laut NDR, WDR und SZ haben rund 90.000 Seiten in sozialen Netzwerken von bezahlten „Gefällt mir“-Angaben profitiert. Darunter sind auch Politiker*innen – am meisten von der FDP. Digital first, Bedenken second?

Dann hat die FDP also Arbeitsplätze von „Clickworkern“ geschaffen, die für Centbruchteile als Biobots Liberale liken. Facebook will gegen die Schmuddelkonkurrenz vorgehen – sonst kauft ja keiner mehr Schmuddelwerbung bei Facebook direkt.

Alle sprechen vom Kon­sumwahnsinn, doch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof schreibt rote Zahlen. Wie steht es um Deutschland?

Verdi hat dem Fusionsunternehmen just noch einen Tarifvertrag auf fünf Jahre abgeluchst. Die glauben immerhin dran, dass es noch so lange geht.

Rolf Zuchowski – „In der Weihnachtsbäckerei“ – hat zugegeben, nie Plätzchen gebacken zu haben. Was war für Sie der größte Schock in der Vorweihnachtszeit?

D-Dur, h-moll, e-moll, A-Dur. Und wieder von vorne, vier Minuten lang. Deutlicher möchte ich es nicht aussprechen, sonst wieder Ohrwurm bis nächste Weihnacht. Hinweis: Föhnfrisur.

Foto: reuters

Apropos Weihnachten: Was wünschen Sie sich?

Den Moment, wenn alles bereitet und fertig ist.

Und was machen die Borussen?

Haben „dumm verloren“, sagte der Trainer. Wäre halb so schlimm, wenn man ihm nicht zutraute, zu überlegen, wie man „klug verliert“. Fragen: CAS

Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Fernsehproduzent und will nix geschenkt.