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die dritte meinungKünstliche Intelligenz hat ein Sexismusproblem, sagt Alexandra Geese

Alexandra Geese

arbeitet als Dolmetscherin im Europäischen Parlament und kandidiert bei der kommenden Europawahl für Bündnis 90/Die Grünen.

Können Algorithmen sexistisch sein? Eigentlich sind sie mathematische Regeln und als solche geschlechtsneutral. Aber: Algorithmen verknüpfen Informationen, die Entwickler*innen für sie auswählen. Einige Beispiele: 60 Prozent der Medizinstudierenden und 46 Prozent der Ärzt*innen in Deutschland sind Frauen. Wer aber den neutralen Begriff „doctor“ in Google Translate eingibt, bekommt auf Deutsch einen männlichen „Arzt“ übersetzt. Gleiches gilt bei Journalisten, Psychologen und Geschäftsführern. Jahrelang diskriminierte auch das Karrierenetzwerk XING Frauen. Bei der Suche nach Journalisten oder Grafikern wurden nur Männer angezeigt – „mitgemeinte“ Frauen blieben außen vor. In der Google-Bildersuche tauchen zum Stichwort „Mensch“ unter den Top-Suchergebnissen ausschließlich weiße Männer und geschlechtsneutrale Strichmännchen auf. Auch mit solchen Datensätzen wird künstliche Intelligenz trainiert.

Diese Programme bilden bestehende Unterschiede nicht nur ab, sondern verschärfen sie. Angesichts der unzähligen gesellschaftlich sensiblen Einsatzbereiche solcher Programme in der Zukunft müssen wir sicherstellen, dass künstliche Intelligenz Diskriminierung nicht massiv verschärft. Wie lässt sich das Problem lösen?

Erstens müssen Anbieter die aktuellen Missverhältnisse beim Design ihrer Programme mitdenken. Zweitens müssen Unternehmen den Frauenanteil in der Tech-Branche steigern – auch über eine Frauenquote. Drittens muss eine Sensibilisierung für Gender- und Rassismusfragen im Informatikstudium verankert werden. Viertens kann Forschung eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung diskriminierungsfreier Daten­sätze und beim Testen von Programmen auf Diskriminierungsfreiheit spielen. Und fünftens muss eine paritätisch besetzte europäische Algorithmenaufsicht eingerichtet werden, die Algorithmen auf Diskriminierungsfreiheit prüft.

Hier liegt Europas Chance. Diskriminierungsfreie künstliche Intelligenz kann unser Alleinstellungsmerkmal werden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen