Grünes Fazit nach Hessenwahl

■ Realos setzen weiter auf grün–rote Perspektive / Betonung liege jetzt auf Bundespolitik Kritik an fundamentalistischer Flügelpolitik / Absage an Ökolibertäre

Aus Bonn Matthias Geis

Ein realpolitisches Resume zogen gestern Fraktionssprecherin Waltraud Schoppe, Otto Schily,m Hubert Kleinert, Bärbel Rust und Christa Vennegerts nach der verlorenen Hessenwahl. Die Pressekonferenz, bei der sich nicht nur Journalisten, sondern auch Grüne Abgeordnete informierten, war als Antwort auf Jutta Dithfurts fundamentalistische Wahlanalyse vom Montag mit Spannung erwartet worden. Von einer „großen Niederlage für meine Position der Realpolitik“ sprach Waltraud Schoppe. Die rot–grüne Perspektive sei durch das hessische Debakel jedoch keinesfalls vom Tisch, denn „nur durch eine Regierungsbeteiligung“ könne gesellschaftlich etwas verändert werden. Zwar hätten die außerparlamentarischen Bewegungen in den letzten Jahren wichtige Impulse gegeben, doch habe man nun den Weg eingeschlagen, „parlamentarisch etwas ändern zu wollen“. Schoppe kritisierte, daß die Grünen es bislang versäumt hätten, sich eindeutig gegen Gewalt in der Politik zu stellen, so daß für viele Menschen nicht klar geworden sei, wohin sich die Grünen entwickelten. Hubert Kleinert nannte den „Wackelkurs der SPD“, den Koalitionsbruch und den Brandt– Rücktritt als Gründe der Niederlage und warnte die SPD vor einer Rückkehr zum Rauschen Ausgrenzungskurs. Dem fundamentalistischen Flügel prophezeite er den Abmarsch in die Selbstisolation. Jenseits der realpolitischen Orientierung bliebe den Grünen lediglich die Rolle des Hofnarren in einer schwarzen Republik. „Ökolibertären Träumereien“ einer Kooperation mit der CDU erteilte Kleinert eine Absage. Otto Schily, der als Antwort auf Ditfurth vor einem „Verbarrikadieren“ der Grünen und vor „rituellen Beschwörungen“ des außerparlamentarischen Widerstands warnte, will seine Partei nicht auf ein linksökologisches Projekt reduziert wissen; vielmehr gelte es, in Zukunft verstärkt auch Menschen mit liberal–demokratischer Biographie zu gewinnen. Abschließende Spekulationen, Ex–Umweltminister Joschka Fischer wolle nach dem wahlbedingten Karriere–Knick im Mai für den Bundesvorstand kandidieren, wurden von Hubert Kleinert zurückgewiesen.