Dienstmagd der Folklore?

■ Gespräch mit J. Dillier vom „Internationalen Dialekt Institut“

Was waren die Motive der Mund

art-Autoren, sich im „Internationalen Dialekt Institut“ zusammenzuschließen?

Aus einer losen Fühlungnahme von Mundartautoren ist vor etwa fünfzehn Jahren eine Gruppe entstanden, die die Mundart aus der reinen Heimattümelei herausführen will. Oft wird Dialekt -Literatur doch immer noch als eine Art Gaudi verkauft. Sie wird als Folklore verharmlost, das war besonders in der Blut und Boden Ideologie der Nazizeit so. Die Autoren im „IDI“ finden sich in dieser Heimattümelei nicht wieder, sie wollen mehr als nur die Lobpreisung des Bodens. So stellen sie Themen wie die Umweltproblematik oder den Identitätsverlust der Regionen in den Vordergrund.

Was bewirkt die Arbeit des „Internationalen Dialekt Institut“?

Insgesamt kann gesagt werden, daß durch die Arbeit der Dialektautoren, die bis zu den Bemühungen der „Wiener Gruppe“ reicht, die Dialektdichtung heute literaturfähig geworden ist. Sie ist aus dem Schattendasein, eine Dienstmagd für die Folklore zu sein, herausgetreten. Dazu beigetragen haben auch die Veröffentlichungen in der „Mundartliterarischen Reihe“ in den 70er Jahren und die Buchreihe „Dichten im Dialekt“, die das „IDI“ herausgibt.

Was werden Sie auf Wangerooge erarbeiten, gibt es ein Konzept für die Werkstattgespräche?

Es ist immer ein Autor federführend bei der Planung dieser Treffen, der bekommt keine Richtlinien. Dieses Jahr ist es der friesische Autor Oswald Andrae. Es ist ein lockeres Treffen, auf dem gegenseitig Mundartliteratur übersetzt wird. Damit können die Autoren, die ja sonst ein sehr begrenztes Verbreitungsfeld haben, ihren Horizont erweitern und Erfahrungen austauschen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie als Schweizer Autor nach Friesland, glauben Sie, die Norddeutschen mit Ihrer Dialektliteratur erreichen zu können?

Es ist schon schwierig, Mundart außerhalb der eigenen Sprachregion herüberzubringen. Bei den Lesungen arbeiten wir deshalb mit hochdeutschen Übersetzungen. Es können jedoch nur Lesehilfen sein, Mundart ist sehr schwer zu übersetzen. Was der Zuhörer mitbekommt, ist die Musik, die in der Mundart mitschwingt.

Fragen: Iko Andrae