■ Das Portrait
: Ed Kienholz

The Berlin Fountain: Im Zentrum von Westberlin, mitten auf dem Ernst-Reuter-Platz, sollte ein Mercedes-Benz in einer Waschanlage langsam zu Schrott geschrubbt werden. Dieser Entwurf für einen Brunnen von Ed und Nancy Kienholz gewann 1983 einen Wettbewerb der TU Berlin; der Baustadtrat von Charlottenburg und der damalige Innensenator verboten die Ausführung. Doch das Konzept für den Tanz um den sauber gewaschenen Fetisch hat bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

Nach Berlin war Kienholz, 1927 in Washington geboren, 1973 mit einem DAAD-Stipendium gekommen. Seitdem lebte er halbjährlich in Berlin, die übrige Zeit in Idaho. Das legendäre Leben eines Freaks, der sich seinen Weg zur Kunst durch Jobs als Barbesitzer, Krankenwärter, Dekorateur und Staubsaugervertreter geschaufelt hatte, verlieh seinen Auftritten den Glanz eines Mannes mit Erfahrung. Wie ein amerikanischer Daddy der Kunst mixte er Spurenelemente von Fluxus und Pop-art in den kritischen Realismus der Mauerstadt.

Gleich sein erstes in Berlin realisiertes Environment entfachte eine juristische Groteske, ob es sich um „Kunst“ oder „unerlaubten Waffenbesitz“ handele. Er hatte eine Hinrichtungsmaschine mit der Gemütlichkeit einer deutschen Sitzecke eingerichtet, um mit diesem still life die Anwesenheit des Todes im Leben zu vergegenwärtigen. Kienholz entdeckte in den kollektiven Verdrängungsleistungen besonders der Deutschen eine unendliche Ressource seiner Kunst, um an empfindlichen Nerven zu sägen.

Künstler und Tabubrecher Foto: Ullstein

Der Spezialist für Tabu- Brüche verzichtete seit 1979 auf das „Recht des Mannes, ausschließlich mit meinem Namen die Anstrengungen zu signieren, die wir beide gemeinsam vollbracht haben“. Seitdem wurde Nancy Reddin Kienholz an seiner Seite sichtbar. Als ich die beiden einmal zu dieser ungewöhnlichen Kennzeichnung der Autorenschaft befragen wollte, schüchterte er mich ein: „I never talk to tape-recorders“. Während Nancy mir von der Frauenforschung amerikanischer Künstlerinnen erzählte, deckte er feierlich einen Tisch, der als Installation für den Besuch eines Sammlers vorbereitet wurde. Ob sie von diesem Kunstwerk wirklich gegessen haben oder es unberührt ins Reich der Werke abschoben, traute ich mich nicht zu fragen.

Ed Kienholz starb am vergangenen Freitag im Alter von 66 Jahren an einem Herzinfarkt. Katrin Bettina Müller