Forschung im grünen Osten

Von den Hinterlassenschaften der DDR bis zu erfolgreichen Klagen gegen die neue Verwaltung: Umweltforschungsinstitut UfU wird zehn Jahre. Ein Problem sind die knappen Finanzen

aus Dresden NICK REIMER

Zuletzt war es der indische Umweltminister, der nach Berlin kam, um sich beim Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) Rat zu holen. An diesem Wochenende feierte das kleine Institut sein zehnjähriges Bestehen. Regierungen nehmen seinen Sachverstand gern in Anspruch, die Gründung folgte jedoch der Logik der DDR-Umweltbewegung: Neben einer parlamentarischen Kraft, der grünen Partei, und einer außerparlamentarischen, der Grünen Liga wurde mit dem UfU eine wissenschaftliche Institution gegründet, deren Aufgabe es sein sollte, unabhängige Daten über den Zustand der Umwelt zu gewinnen.

Zwar war das UfU nicht die einzige Neugründung seiner Art. Heidrun Heidecke etwa, spätere Umweltministerin in Sachsen-Anhalt, gründete das Umweltinstitut Leipzig. Es hat sich auf dem Gebiet der Umweltbildung einen Namen gemacht. Das UfU aber war nicht nur die erste Einrichtung seiner Art, sondern arbeitete von Anfang an überregional.

Folgerichtig standen in den ersten UfU-Jahren die Umweltsünden des geschassten Regimes auf dem Programm. Das Erarbeiten eines Abfallkatasters der DDR oder eines ostdeutschen Wassergüte-Atlasses standen auf der Prioritätenliste genauso weit oben, wie ein Register über Luftverschmutzung, das mit Hilfe des Bioindikators Flechtenbewuchs erstellt wurde. Später hat sich das UfU vor allem mit Rechtsgutachten und seinen Arbeiten zur Bürgerbeteiligung einen Namen gemacht. So haben die Fachleute eine bundesdeutsche Verordnung erwirkt, die die Mindestflughöhe von 150 Metern auf 300 Meter festlegt.

An Berliner und Brandenburger Schulen initiierte das Institut ein so genanntes „Fifty-Fifty-Programm“ zur Energieeinsparung. Durch bewusstes Nutzerverhalten bei Strom, Wärme, Wasser und Müll gelang es, eine Million Mark einzusparen, von der die Hälfte an den 200 teilnehmenden Schulen verbleibt.

Mit ihren Modellklagen gegen Verkehrsbelästigung brachte das Institut den Berliner Verkehrssenat in Zugzwang. Der Senat prüft gerade auf zehn Straßen in einem Modellversuch, wie er die Auflagen des Gerichts am besten umsetzen kann. Brisanterweise zeigen die Ergebnisse, dass die von der CDU so vehement abgelehnte „Tempo 30“-Regelung die meisten Effekte bringt.

Heute betreibt das UfU in Dresden und Halle noch zwei Außenstellen. Zehn der insgesamt 15 Mitarbeiter sind Wissenschaftler. Nach wie vor legt das Institut großen Wert auf Unabhängigkeit. „Wir bekommen keine Form von institutioneller Förderung“, sagt Vorstandschef Michael Zschiesche. Den 250 Fördermitgliedern – die Stadt Halle ist mit einem Jahresbeitrag von 10.000 Mark das finanzkräftigste – gelingt es aber gerade einmal, fünf Prozent des Etats zu decken. Der Großteil des Geldes wird über Aufträge eingeworben.

Neben der permanenten Finanzknappheit und einer immensen Personalfluktuation machen dem UfU heute vor allem westdeutsche Konkurrenz und ostdeutsches Desinteresse zu schaffen. „Für die Menschen in den neuen Ländern gelten die Umweltprobleme als gelöst“, beklagt Zschiesche. So ist zum zehnten Geburtstag nicht ganz klar, ob eines der wenigen Re- likte der DDR-Umweltbewegung auch seinen Zwanzigsten erleben wird.