Arbeitskampf in der Spielecke

Die Streiks im öffentlichen Dienst erreichen die Kitas und Grundschul-Horte. Erzieherinnen legen die Arbeit nieder. Wenn der Senat kein neues Angebot macht, drohen die Gewerkschaften Ende Mai mit einem großen Streiktag

Den Tarifstreit im öffentlichen Dienst haben am Dienstag vor allem die Eltern von kleineren Kindern zu spüren bekommen. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) legten 4.000 Erzieherinnen und Sozialpädagogen an Kindertagesstätten und Grundschul-Horten die Arbeit nieder. Zwei Tage soll der Ausstand dauern. "Arbeitende Mütter und Väter werden allein gelassen. An uns bleibt der Streik hängen", sagte Josefa Schwarz, Angestellte und Mutter, die ihren sechsjährigen Sohn woanders unterbringen musste.

In Berlin gibt es nach Senatsangaben 107.000 Betreuungsplätze für Kita-Kinder. Von dem Streik sind jedoch nur die landeseigenen Einrichtungen betroffen. Sie bieten knapp 30.000 Plätze an. Hinzu kommen die vom Land betriebenen Horte an den rund 400 Grundschulen. Auch dort traten zahlreiche Betreuer in den Ausstand. Wie viele Kitas und Horte am Dienstag geschlossen blieben, war nicht bekannt.

Die GEW gibt sich kämpferisch: Am Vormittag versammelten sich die Streikenden zur Demonstration am Breitscheidplatz. Sie zogen über den Kudamm zum Adenauerplatz. "Wir sind uns einig, dass das obskure Angebot des Senats ein Witz ist", sagte GEW-Sprecher Peter Sinram. Netto kämen die Angestellten damit lediglich auf 10 bis 12 Euro im Monat mehr. "Dafür haben wir keine Urabstimmung gemacht", sagte Sinram.

Die Gewerkschaften fordern 2,9 Prozent mehr Lohn und 3-mal 300 Euro für die Angestellten im Landesdienst. Der rot-rote Senat will dagegen nur 2-mal 225 Euro zahlen. Zahlreiche Mitarbeiter in Bürger- und Ordnungsämtern und beim Wachschutz der Polizei traten daher immer wieder in Streiks.

Am Dienstagnachmittag traf sich die Tarifkommission der Gewerkschaften Ver.di, GEW, Gewerkschaft der Polizei und IG BAU, um über das Vorgehen zu beraten. Das Senatsangebot "ist nach einhelliger Auffassung der Tarifgemeinschaft keine Grundlage, um in Tarifverhandlungen einzutreten", ließ Ver.di nach der Sitzung verlauten. Wenn Innensenator Ehrhart Körting (SPD) einen besseren Vorschlag mache, sei man zu weiteren Gesprächen aber gerne bereit.

Sollte sich der Senat bis zum 29. Mai nicht zu Zugeständnissen durchringen, wird der öffentliche Dienst ganztägig in den Ausstand treten, kündigte Sinram an. Bis dahin bleibe es erst mal ruhig an der Streikfront. Sinram sagte: "Jetzt hat der Senat Zeit, sich was zu überlegen."

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