Arbeitnehmer und Gewerkschafter fordern: Bessere Erziehung von Kleinkindern

Arbeitgeberverband kritisiert das Wachstumsbeschleunigungsgesetz und fordert gemeinsam mit der Gewerkschaft DGB eine qualitativere Verbesserung der Kita-Erziehung.

Frühkindliche Erziehung soll nicht Opfer der Sparmaßnahmen von der schwarz-gelben Bundesregierung werden dürfen. Bild: dpa

BERLIN taz | Selten kommt es vor, dass der Arbeitgeberverband und die Gewerkschaften in Zeiten von Tarifverhandlungen gemeinsame Sache machen. Bei einer Tagung, die gestern im Haus der Wirtschaft in Berlin stattfand, sprachen sich beide Seiten für eine Verbesserung der frühkindlichen Erziehung aus. "Wir demonstrieren heute Gemeinsamkeit, da es um die Zukunft unseres Landes geht", sagte Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverände(BDA).

Neben den Arbeitgebern und Gewerkschaftern, sprachen sich auch VetreterInnen aus den Kitas und die Politik dafür aus, dass die frühkindliche Erziehung nicht Opfer der Sparmaßnahmen von der schwarz-gelben Bundesregierung werden dürfe.

Stattdessen solle mehr Geld für die Qualitätsverbesserung von frühkindlicher Erziehung ausgegeben werden. Die Tagenden warnten die Regierung davor, ihr Ziel jedem dritten Kind unter drei Jahren ab 2013 einen Kitaplatz zu ermöglichen, nicht zu erreichen, wenn sie nicht mehr Geld dafür locker macht. 750.000 Plätze will die Ministerin Christina Köhler schaffen, die Komunen haben bereits signalisiert dass ihre Töpfe das nicht hergeben. Außerdem wies die Bildungsministerin aus Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen, darauf hin, dass "der Bedarf an Kitaplätzen ist tendenziell höher sei".

In diesem Zusammenhang beschwerte sich Peter Clever über das schwarz-gelbe Wachstumsbeschleunigungsgesetz. In den kommenden Jahren würden alle öffentlichen Bereiche auf den Prüfstand gestellt. "Daher müssen wir die Regierung unterstützen, die richtigen Prioritäten zu setzen", sagte Clever. Und diese hat der BDA-Funktionär bereits erkannt: Die frühkindliche Erziehung, denn jeder in die Bildung investierte Euro würde sich mittelfristig rentieren.

Vor dem Hintergrund der laufenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, verlangte Ingrid Sehrbrock, Vorstandsmitglied des DGB, den Beruf finanziell attraktiver zu machen. "Die Regierung darf sich nicht auf irgendwelche Billiglösungen verlassen", sagte die Gewerkschaftlerin und forderte eine bessere Bezahlung für Erzieherinnen: "2050 Euro Brutto-Gehalt sind nicht sehr verlockend", sagte Sehrbrock.

Dafür sei aber Geld notwendig. Und das dürfe nicht nur von den Ländern und den Kommunen, sondern auch vom Bund kommen, erklärte DGB-Vorsitzende Sehrbrock. Ihrer Meinung nach sollten die zwei Milliarden Euro, die für das Betreungsgeld vorgesehen waren, lieber in das Bildungssystem gesteckt werden. Des Weiteren müssten 47.000 Stellen geschaffen werden, um eine angemessene Erziehung für Kleinkinder in ganz Deutschland zu ermöglichen.

Neben dem quantitativen Aufstockung von Kitaplätzen forderten die TeilnehmerInnen einstimmig, ebenfalls die Qualität der frühkindlichen Erziehung zu verbessern. "Die Erziehung im Kleinkindalter legt den Grundstein für eine erfolgreiche Bildungsbiografie", erklärte Ingrid Sehrbrock. Um eine gute Erziehung zu gewährleisten müssten deshalb die Ausbildungsmöglichkeiten für ErzieherInnen verbessert werden.

Landesbildungsministerin Ahnen hätte dafür auch schon drei Vorschläge bereit: Sie könne sich vorstellen, ein Zertifikat für Fort- und Weiterbildungen von Erzieherinnen einzuführen, um einen gewissen Standard zu erstellen. Außerdem müssten die Ausbildungen in Berufsschulen verbessert werden und an die aktuellen Anforderungen, wie etwa Sprachförderung im letzten Kitajahr angepasst werden.

Schließlich müssten mehr akademische Qualifizierungsmöglichkeiten geschaffen werden, was nicht nur den Ausbau von pädagogischen Studienfächern an Hochschulen, sondern auch von Qualifizierungsmöglichkeiten für ErzieherInnen aus dem Beruf heraus zu schaffen. Konkret dachte sie dabei an ein Fernstudium.

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