Anschläge in Pakistan: Attentäter trugen Burkas

Die Taliban töten am Wochenende in der pakistanischen Region Kohat 48 Menschen in einem Flüchtlingslager, weitere sieben sterben bei Anschlägen auf eine nahegelegene Polizeistation.

Aufräumarbeiten nach dem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation in Kohat Bild: rtr

ISLAMABAD dpa/afp | Selbstmordanschläge in einem Flüchtlingslager und vor einer Polizeiwache in Pakistans Nordwest-Grenzprovinz haben am Wochenende mindestens 48 Todesopfer gefordert. Wie die Polizei mitteilte, starben allein am Samstag 41 Menschen, als sich in dem Camp im Distrikt Kohat ein Attentäter vor der Essensausgaben inmitten wartender Flüchtlinge in die Luft sprengte. Wenige Minuten später, als die Rettungsarbeiten gerade angelaufen waren, habe ein zweiter Terrorist seinen Sprengstoffgürtel gezündet. Beide hatten sich mit Burkas verkleidet. Den Angaben zufolge wurden bei dem Anschlag insgesamt 64 Menschen verletzt.

Ebenfalls in Kohat riss am Sonntag ein Selbstmordattentäter mindestens sieben Menschen vor einer Polizeiwache mit in den Tod. Nach offiziellen Angaben wurden mehr als 25 weitere Menschen verletzt, darunter zahlreiche Sicherheitskräfte. Alle Todesopfer seien Zivilisten gewesen. Im Auto des Täters seien bis zu 250 Kilogramm Sprengstoff versteckt gewesen, hieß es weiter.

Bei den Opfern in dem Flüchtlingslager handelt es sich überwiegend um schiitische Muslime der Volksgruppen Mani Chel und Baramad Chel. Sie hatten wegen der Militäroperation gegen die radikal-islamischen Taliban im angrenzenden teilautonomen Stammesgebiet Oraksai in der Garnisonsstadt Kohat Zuflucht gesucht. Im Zuge der Großoffensive tötete die Armee am Wochenende nach eigenen Angaben mindestens 34 Aufständische.

In Oraksai gehen pakistanische Sicherheitskräfte seit Ende März gegen Extremisten vor, die sich im Herbst nach einer Offensive in Südwasiristan dorthin zurückgezogen hatten. Nach offiziellen Angaben wurden dabei in den vergangenen Wochen mehr als 350 Aufständische getötet. Die Region gilt als Hochburg der Taliban und der mit ihnen verbündeten Al-Qaida-Terroristen, die von dort aus auch immer wieder die internationalen Truppen im benachbarten Afghanistan angreifen.

Der pakistanische Militärchef, General Aschfaq Parves Kajani, entschuldigte sich unterdessen in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung für die Tötung Dutzender Zivilisten vor einer Woche.

In der an Oraksai grenzenden Khaiber-Stammesregion waren nach Angaben von Einheimischen mehr als 70 Zivilisten ums Leben gekommen, als Kampfflugzeuge versehentlich ein Wohngebiet bombardierten. Die Armee hatte die Zahl der Todesopfer zunächst mit 42 angegeben und erklärt, es habe sich um Aufständische gehandelt.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben