Ann-Kathrin Liedtke zu 50.000: Uns fällt ein Meilenstein vom Herzen
50.000 Menschen unterstützen die taz über das freiwillige Bezahlmodell taz zahl ich – diese Zahl ist für uns noch immer schwer zu fassen. Nicht nur, weil sie größer ist als alles, was wir uns zu Beginn des Projekts erhofft hatten, sondern weil hinter ihr 50.000 individuelle Entscheidungen stehen: Menschen, die sich jeden Monat neu dazu entschließen, Journalismus zu finanzieren, den sie eigentlich auch kostenlos lesen könnten.
Als die taz 2011 mit taz zahl ich startete, hielten viele in der Branche das Modell für ein Experiment. Die meisten zogen in den folgenden Jahren lieber harte Bezahlschranken hoch. Wir haben einen anderen Weg gewählt. Denn damals wie heute finden wir: Kritische Informationen sollten für alle zugänglich sein – unabhängig von der Größe des Geldbeutels. Gleichzeitig war uns klar: Auch online muss Journalismus finanziert werden. Unsere Lösung lautet daher seit mittlerweile 15 Jahren: Freiwilligkeit und Solidarität.
Neu ist diese Idee für uns allerdings nicht. Die Geschichte der taz ist voller Momente, in denen unsere Leser:innen Verantwortung übernommen haben. Schon vor der Gründung finanzierten sie eine Zeitung, die es noch gar nicht gab. Und als die taz Anfang der 1990er Jahre in ihrer Existenz bedroht war, wurde sie verkauft – an ihre Leser:innen. Mit der Genossenschaft entstand ein Modell, das unsere Unabhängigkeit bis heute sichert. Der Solidarpakt bei den Abopreisen folgte derselben Logik: Wer mehr geben kann, zahlt für die mit, die sich nicht so viel leisten können. Auf leser:innenfinanzierten Journalismus zu setzen und Solidarität in den Vordergrund zu stellen – das liegt der taz in der DNA.
Aus dem kleinen Spendenaufruf auf der Webseite ist im Laufe der Jahre eine tragende Säule der Finanzierung der taz geworden. Allein 2025 kamen über regelmäßige und einmalige Beiträge mehr als 3,76 Millionen Euro zusammen. Seit dem Start des Modells waren es insgesamt fast 22 Millionen Euro. taz zahl ich hat gezeigt, dass die Paywahl – entgegen vielen Prognosen – ein tragfähiges Modell für digitalen Journalismus ist.
Die letzten Jahre haben das immer wieder eindrucksvoll bestätigt. Während Pandemie, Inflation und gesellschaftlicher Verunsicherung wuchs die Unterstützung weiter. Die Menschen entschieden sich nicht nur trotz, sondern gerade in den schwierigen Zeiten dafür, die taz zu unterstützen. Diese enge Beziehung ist ein wesentlicher Grund für den Erfolg von taz zahl ich.
Dass heute 50.000 Menschen Teil unser Gemeinschaft sind, ist deshalb weit mehr als eine schöne Zahl. Es ist ein Vertrauensbeweis. Für unsere Arbeit, für die Idee eines frei zugänglichen Journalismus und für die Überzeugung, dass es auch anders geht.
Gleichzeitig gilt: Der Meilenstein ist ganz klar ein großer Erfolg, doch auch noch nicht das Ziel – die digitale Transformation bleibt auch in den kommenden Jahren eine große Herausforderung. Wir müssen neue Zielgruppen gewinnen, jüngere Menschen erreichen und uns weiter verändern. Zusammen mit unseren Leser:innen wissen wir, dass wir es meistern können. Und dass die Idee der Freiwilligkeit auch in den kommenden Jahren von ihnen weitergetragen wird.
Die Geschichte der taz war nie eine Geschichte des Stillstands. Sie war immer eine Geschichte gelebter Solidarität. Vor 48 Jahren finanzierten unsere Leser:innen eine Zeitung, die es noch gar nicht gab. Heute sorgen 50.000 Unterstützende dafür, dass es sie auch morgen noch gibt. Dafür sagen wir Danke.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen