Angriff auf soziale Netzwerke: Twittern künftig auch mit Google

Der Konzern erweitert sein Angebot um Funktionen aus sozialen Netzwerken - und greift damit Facebook und Twitter an. Einmal mehr vergrößert Google damit seinen lukrativen Werbemarkt.

Google startet einen eigenen Dienst für Internet-Kurzmitteilungen und baut damit sein Angebot bei den sozialen Netzwerken im Internet aus. Bild: dpa

BERLIN taz/dpa Google startet einen eigenen Dienst für Internet-Kurzmitteilungen und baut damit sein Angebot bei den sozialen Netzwerken im Internet aus. Der Suchmaschinen-Riese lockt die Nutzer mit dem Versprechen, mehr Ordnung in die Informationsflut zu bringen und ohne Zeitverlust Informationen mit anderen Google-Nutzern auszutauschen. Der neue Dienst mit dem Namen "Google Buzz" soll nicht nur die Nachrichten von Bekannten eines Nutzers verfolgen. Anwender sollen sie auch nach Wichtigkeit und Interessen anordnen können, wie Google-Manager zur Vorstellung des Projekts am Dienstag Abend in San Francisco erläuterten. Bei der Präsentation des Dienstes editierte Google Gründer Sergey Brin einen Artikel gemeinsam mit seinem ganzen Social Network - der Bearbeitungsprozess wurde dadurch erheblich verkürzt.

Allein die Idee der Internet-SMS ist allerdings nicht neu. Was Google nun mit Buzz einführt, haben Kommunikationsplattformen wie Facebook und Twitter bereits etabliert.

Google integriert den neuen Kurznachrichtendienst in seinen eigenen Email-Dienstes, der laut Marktforscher Comscore monatlich von 176 Millionen Nutzern besucht wird. Google Mail Nutzer können ab sofort Buzz nutzen und unter anderemkurze Nachrichten für zuvor ausgewählte Leserkreise veröffentlichen. "Es ist eine kluge Entscheidung von Google, Buzz in diesen erfolgreichen Dienst einzubetten", sagte der Computerexperte und Journalis Jörg Schieb der taz. Eine ähnliche Funktion gibt es bei dem Online-Netzwerk Facebook, das derzeit mehr als 400 Millionen Mitglieder zählt; bei Twitter kann man solche Kurznachrichten sogar nicht nur Bekannten, sondern jedermann zugänglich machen.

Google will dem Nutzer zudem erlauben, Nachrichten nach Wichtigkeit oder dessen Interessen auszuwählen. Nachrichten, die viele Nutzer interessant fanden, sollen in der Liste automatisch höher auftauchen. Zudem sollen sich Bilder und Videos nicht mehr hinter Linkverweisen verstecken, sondern automatisch geöffnet werden. Buzz zielt auch auf Geschäftskunden, die von der Zusammenarbeit in Echtzeit profitieren wollen.

Für den Computerexperten Jörg Schieb erfüllt Google Buzz zumindest technisch alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. "Buzz ist gut durchdacht und hat alle Funktionen die wichtig sind", sagte Schieb.

Letzlich geht es bei diesem Vorstoß um die Aufmerksamkeit der Nutzer: Nur wer Zeit auf einer Webseite verbringt, kann auch durch Werbung angesprochen werden - und Werbung ist die zentrale Einnahmequelle von Google; pro Quartal macht das Unternehmen mehr als fünf Milliarden Dollar Umsatz. Auch Facebook nutzt den permanenten Nachrichtenstrom von Millionen Facebook-Freunde, um online-Werbung zu verkaufen. Verkauft werden die Anzeigen vom Softwarekonzern und Google-Erzrivalen Microsoft.

Die schnellen Kurzmitteilungen sind ein Trend, der die Kommunikation im Internet immer stärker prägt. So wie die SMS zuvor auf dem Handy zu einer der beliebtesten Funktionen wurde, so halten sich mittlerweile Facebook-Nutzer durch einen steten Strom von Kurzmitteilungen über das Leben ihrer Online-Freunde auf dem Laufenden. Ähnliches bietet auch Twitter. Der Kurznachrichtendienst hat nach neuesten Schätzungen zwischen 25 und 30 Millionen Nutzer - die Zahlen gehen jedoch zum Teil weit auseinander.

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