Androide am perversesten Punkt: Mehr als nur creepy

Österreicherin Sandra Wollner erzählt in „The Trouble with Being Born“ von Wiedergängern. Es ist die Geschichte von Abgründen der Familie.

Lena Watson hockt am Pool.

Lena Watson als Elli am Pool: Mensch oder Androide? Foto: Panama Film

Es stimmt etwas nicht. Am Flirren der Sonne durch die Blätter, an der Idylle mit Haus, Natur und mit Pool, am Ton des Mädchens, das hier von der Gegenwart wie von einer Erinnerung spricht, an der Reaktion des Vaters, als das Kind, er ruft sie Elli (Lena Watson), wie tot im Wasser treibt, am Gesicht, dem Mund, den Haaren, sogar an den Körpergeräuschen der Tochter: An alldem stimmt etwas nicht. Das spürt man, bevor klar zu werden beginnt, dass Elli nicht human, sondern ein Roboter ist. Ein Roboter, der die Form von Menschen annehmen kann, wieder zum Leben erweckt.

Elli ist zehn Jahre tot, in Form eines Androiden kehrt sie zurück. Georg (Dominik Warta) erlebt das Wunder, dass er das tote Kind wieder im Arm halten kann. Es ist das uralte Wiedergängermotiv, dem zuletzt die französische Fernsehserie „Les Revenants“ viele Ambivalenzen und unheimliche Aspekte abgewonnen hat. Es ist nicht immer, vielleicht sogar nie das reine Glück, die Erfüllung der eigenen, tiefsten Sehnsüchte und Wünsche real zu erleben. Wenn sein darf, was nicht sein kann, sorgt das für sehr gemischte Gefühle.

Die Österreicherin Sandra Wollner hat sich in ihrem Spielfilmdebüt „Das unmögliche Bild“ von 2016 als Meisterin der Zwischen-, der Misstöne, aber auch der täuschenden, irritierenden Bilder und der Abgründe in Familienzusammenhängen erwiesen. In der ersten der beiden Geschichten, die sie in „The Trouble with Being Born“ um die Androidin/den Androiden erzählt, dreht sie die Schraube so subtil wie gnadenlos bis zum perversesten Punkt: Das Verhältnis des „Vaters“ zu seiner „Tochter“ ist mehr als nur creepy.

26. 2., 17 Uhr, Cubix 6

27. 2., 22 Uhr, International

1. 3., 12 Uhr, Cubix 6

Es wird dann noch eine zweite Geschichte erzählt, auch sie dreht sich um Wünsche, Ängste, Tod und Wiederbegegnung. Die Verbindung genau dieser Geschichten scheint etwas willkürlich, aber um narrative Zusammenhänge geht es hier so wenig wie um die Frage, wie der Android überhaupt in die Welt kam. Wollners Stärken liegen im Atmosphärischen, in der leisen Verschiebung von Ton und von Sinn, mit oft weitreichenden Implikationen. Sie belohnt genauestes Hinhören, Hinsehen, Bedenken. „The Trouble with Being Born“ ist ein unheimlicher, ein unangenehmer, ein verstörender Film, der mit dem letzten Bild nicht vorbei ist. Die Frage „Was habe ich da gesehen?“ wird man so schnell nicht mehr los.

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