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Amt spielt gegen Politik

■ Zoff um 4,5 Millionen Mark für mehr Offenheit in der Jugendarbeit

Was die Bürgerschaft beschließt, setzen Behörden noch lange nicht um. Das erfuhren die Abgeordneten Sabine Steffen (GAL) und Thomas Böwer (SPD) bei einer Podiumsdiskussion zur Umstrukturierung der Jugendhilfe. 4,5 Millionen Mark des 258 Millionen Mark großen Etats für Hilfen zur Erziehung (HZE), so beschloss die Bürgerschaft im Dezember 1999, sollten für Schnittstellenmodelle zwischen offener Arbeit und einzelfallorientierter Jugendhilfe ausgegeben werden. Doch Herbert Wiedermann, der im Amt für Jugend diesen Etat verwaltet, will das Geld erst freigeben, wenn der HZE-Bereich mit seinem Etat auskommt. Das sagte er vor rund 150 Zuhörern im Haus der Jugend Flachsland. Einen erneuten Nachtragshaushalt werde es mit ihm nicht geben.

Fachleute sind sich einig: Es gibt eine Schieflage im Hamburger Jugendhilfesystem. Fünf von sechs Mark werden für teure Einzelfallhilfen ausgegeben, die zudem umstritten sind, weil sie nur bekommt, wer sich selbst und den Jugendämtern gegenüber als Problemfall definiert. Eine „sozialräumlich strukturierte Jugendhilfe“, die offene Treffs mit Einzelfallhilfen verknüpft, Beratung mehr nebenbei laufen lässt und Selbsthilfepotentiale stärkt werden, lautet derzeit die unter Hamburgs Sozialarbeitern favorisierte Alternative.

Konzepte hätten sich an die 40 Träger überlegt, berichtet Sabine Kohlhoff vom Verband für Kinder- und Jugendarbeit Hamburg. Doch für eine Kita, die etwa einen Müttertreff anbieten will, sei kein Geld da. Wolfgang Hammer vom Amt für Jugend meint, im Haushalt 2001 müssten die Bezirke über mindes-tens einen kleinen Teil des Etats verfügen und zwischen offener Arbeit und HZE-Topf hin- und her- schieben können. Kaja Kutter

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