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■ Amsterdam: Makler gegen die KrakerWachschutz durch Wohnen

Den Haag/Amsterdam (taz) – Seit fünf Jahren wohnt Ellen Oostra „über Eyk“, wie sie sagt. Im Juli bezog sie die ehemalige örtliche Telefonzentrale der niederländischen Telefongesellschaft PTT in Amsterdam-Zuid. Zuvor hatte sie zwei Wochen im Stadtteil Buitenveldert gelebt. Und davor wohnte sie drei Monate im Stadtteil Watergraafsmeer sowie in einem in Bau befindlichen psychiatrischen Zentrum im Norden der Stadt. Wer „über Eyk“ wohnt, muß flexibel sein. Ein halbes Jahr kann Ellen Oostra noch an ihrer letzten Adresse bleiben.

Eyk heißt mit vollem Namen Eyk Backer und ist Chef der Zwerfei Bewaring B.V. Das heißt soviel wie Rettet-den-Findling-GmbH. Motto des Unternehmens: Wachschutz durch Wohnen. Backer läßt in Amsterdam rund 250 Menschen in 50 Gebäuden zu Wohnraum kommen. Bis 1980 war er als Makler tätig, doch dann schwächte sich der Häusermarkt ab. Das war die Zeit, als in den Niederlanden die Besetzer („Kraker“) ihre Triumphe feierten. Dies brachte Backer auf die Idee, in leerstehenden Gebäuden junge, aber „ausgesuchte“ Menschen zu plazieren, um jeder Besetzung zuvorzukommen. Zunächst brachte er seinen Freundeskreis in Gebäuden unter, die er selbst zum Verkauf anbot. Später fragte ein zweiter Makler bei ihm an: Geld gegen Bewohner, und der Handel war perfekt. Heute wenden sich regelmäßig Makler und Eigentümer an Backer, wenn sie ein leeres Gebäude beschützt wissen wollen. Backer hält stets die Augen offen. Schilder mit der Aufschrift „Te Huur“ (zu mieten) oder „Te Koop“ (zu kaufen) ziehen ihn magisch an.

Die Kraker räumen denselben Markt ab. Der Besetzer Jeroen erinnert sich an eine Räumung: Als die Polizei gerade die letzten Kraker aus einem Haus holte, lauerte an der nächsten Ecke bereits eine Gruppe geschniegelter Studenten, wartend, daß ihr Haus frei würde. Verzeihbar sei das nicht, meinen die Kraker. Die Spekulation wuchere damit weiter wie gehabt.

Firmenchef Eyk Backer sagt über sich selbst, er biete „Ruhe“ an. Garantieren kann er sie durch die sorgfältige Auswahl aller Interessenten. Junge Männer, die die Haare zum Zopf gebunden haben oder einen Ring durch die Nase tragen, haben bei ihm keine Chance. Regelmäßig sucht Backer die Gänge der Gebäude ab, um sicherzugehen, daß sich keine Abfallberge anhäufen. Für die Eigentümer ist die Zwerfei-Gesellschaft Gold wert. Den Bewohnern werden 125 Gulden im Monat (113 Mark) abverlangt – als Unkostenbeitrag für Gas und Licht. Ein Gebäude wie die „Zwarte Kat“ (Schwarze Katze), das zuvor 15 Jahre lang in Besetzerhand war, wirft im Monat geschätzte 2.500 Gulden (2.300 Mark) ab.

In Den Haag ist das Vermittlungsbüro „Ad Hoc“ tätig, das inzwischen auch im ganzen Land vertreten ist. Unternehmensleiter Jan Erik de Jooden schätzt, daß 1.500 bis 2.000 Menschen in Amsterdam „wachend“ wohnen. „Reizende Häuser in Toplage für einen lächerlichen Preis“, preist de Jooden sein Angebot.

Mit den Krakern hat Ellen Oostra nie Probleme gehabt. „Ich mache doch nur von den Möglichkeiten Gebrauch, die sich mir als Zugezogener bieten“, meint sie. Zwei Jahre müsse man in Amsterdam studieren oder arbeiten, um beim Wohnungsamt „mit Dringlichkeit“ vermerkt zu werden. Dann aber beginne das lange Warten: vier bis acht Jahre für eine Zweizimmerwohnung.

Bei Eyk kommt es schon mal vor, daß Ellen Oostra nur eine Woche zum Auszug bleibt, wenn ein Gebäude doch auf einen Käufer trifft. Daran habe sie sich längst gewöhnt, sagt sie. Harald Neckelmann

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