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Ali AlzaeemWenn das Exil mein Urteil schreibt

Mitten in der Nacht

verfolgen mich die Zeitungen / in den Straßen von Berlin und klammern sich an mich, / um meinen Körper zu zerreißen und zu stehlen, / was ich über die Schönheit dieser Stadt gelernt habe. / Aus den Zeitungen schlägt mir Neid entgegen, / wann immer ich eine Straße zum Schlendern wähle.

/ Oh, Damaskus, / die Schlagzeilen erbrechen sich / über meinen Namen, / meinen Namen, den ich vergessen habe. / Also schwimme ich auf der Welle der Flucht, / von jeder Küste abgelehnt.

/ Oh, Damaskus, / wie kann ich ihnen sagen, / dass ich dich liebe, / und dass ich Kurs auf dich halten würde, / wenn ich der Kapitän der Wellen wäre, / um in einem deiner Winkel mit einer Tasse Kafffee zu sitzen / und zu lachen / über eine Anzeige, die für die Auswanderung nach Deutschland wirbt.

Erstmals erschienen im Band „Sei neben mir und sieh, was mir geschehen ist“ des Verbrecher Verlags in Kooperation mit PEN Berlin und The Poetry Project.

Ali Alzaeem

26, ist im syrischen Idlib aufgewachsen. Mit 10 Jahren hat er sein erstes Gedicht geschrieben. Im Sommer 2015 kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Er hat Logistik in Berlin studiert und arbeitet mittlerweile als Referent für Digitalisierung in der Energiebranche. Nebenbei leitet er Workshops für kreatives Schreiben.

Zum Thema

Alle drei Dich­te­r*in­nen sind Teil von The Poetry Project. 2015 gegründet, versteht sich das Lyrik-Projekt als poetisches Archiv der jüngsten deutschen ­Einwanderungsgeschichte ­(thepoetryproject.de).