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Alexander Lukaschenko wiedergewähltEuropas letzter Diktator

Alexander Lukaschenko ist Europas letzter Diktator, sein Land der einzige Staat Europas, der noch Todesurteile vollstreckt. Die Opposition wird seit Jahren unterdrückt.

BERLIN taz | Europas letzter Diktator Alexander Lukaschenko ist zum vierten Mal zum Präsidenten der Republik Belarus "gewählt" worden. Und mit diesen "Wahlen" stellt Lukaschenko das Verhältnis seines Landes zur EU auf eine harte Probe. Noch Ende Oktober dieses Jahres hatten die EU-Außenminister beschlossen, dass die 2006 gegen Minsk verhängten Sanktionen, die 2008 nach der Freilassung mehrerer politischer Gefangener ausgesetzt worden waren, weiter ausgesetzt bleiben.

1994 mit 80 Prozent zum Präsidenten der Republik Belarus gewählt, hatte Lukaschenko sofort begonnen, die ganze Macht in seinen Händen zu konzentrieren. Er ließ sich das Recht festschreiben, jederzeit das Parlament aufzulösen, den Generalstaatsanwalt, die Vorsitzenden des Obersten Gerichts und des Verfassungsgerichts und die Hälfte der Verfassungsrichter zu bestimmen, und schaffte das in der Verfassung artikulierte Verbot einer dritten Kandidatur für das Amt des Präsidenten ab.

Danach ging das Regime gegen Opposition und kritische Journalisten vor, die nur noch im Internet publizieren können. 1999 und 2000 waren die Oppositionspolitiker Wiktor Gontschar, Anatoli Krasowski und Juri Sacharenkoi spurlos verschwunden. Am 7. Juli 2000 verschwand Dimitri Sawadski, der zwei Jahre Lukaschenkos persönlicher Kameramann gewesen war. Hinter dieser Verschleppung stehe das weißrussische Regime, vermutete 2004 der Sonderberichterstatter des Europarats, Christos Pourgourides.

Am 6. Dezember 2009, so die Menschenrechtsorganisation Charta 97, war der Oppositionelle Jewgeni Afnagel in Minsk entführt worden. Es gab eine Scheinexekution. Innerhalb von zwei Monaten sei Ähnliches sechs anderen oppositionellen Jugendlichen widerfahren, so die Charta 97.

Die Charta 97 ist den Behörden ein Dorn im Auge. Eine Hausdurchsuchung im März dieses Jahres, bei der acht Computer beschlagnahmt worden waren, war nur einer von mehreren Versuchen, die unbequeme Internetseite der Organisation stillzulegen.

Weißrussland ist das einzige Land Europas, in dem noch die Todesstrafe angewandt wird. Zuletzt waren im März dieses Jahres zwei Todesurteile vollstreckt worden. Nach Schätzungen von Amnesty International wurden seit der Unabhängigkeitserklärung 400 Menschen hingerichtet. Nur wenige Minuten vor Vollstreckung des Urteils würden die Verurteilten hiervon erfahren, berichtet die Menschenrechtsorganisation.

Eine endgültige Aufhebung der Sanktionen gegen Weißrusslands Regierung, so sehen es Diplomaten der EU, setze die Zulassung politischer Parteien und Nichtregierungsorganisationen, Medienfreiheit, Versammlungsfreiheit und die Abschaffung der Todesstrafe voraus. Durch die Ereignisse vom Wochenende dürfte die endgültige Aufhebung der Sanktionen in weite Ferne gerückt sein.

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8 Kommentare

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  • H
    hann0s

    @ Post Scriptum: Ich denke die meisten hier Wissen, was sie hier haben. Allerdings ist der Status quo keineswegs in Deutschland noch vertraglich gesichert, im Krisenfall ist in Deutschland Todesstrafe etc. wie im Rest Europas unter umständen erlaubt. Über Vorratsdatenspeicherung, Swift, die neuen Persos, Stoppschilder im Internet und viele weitere kleinigkeiten werden beinahe alle Bürgerrechte in Europa hier im großen Stil angegriffen, eingeschränkt oder verboten, und dies ist nicht der Auswuchs einer dummen Regierung sondern ein beständiger Trend. Meist von einer Institution (EU) welche die wenigsten völlig verstehen, geschweige denn jemals mehr oder weniger DIREKT (!) legitimiert haben (jajaja repräsentative Demokratie) Von daher ist diese Arroganz, mit der wir über Dikatoren reden einfach nicht zum Aushalten, als würde der Weg den die westlichen Staaten seit Mitte der neunziger eingeschlagen haben nicht zu einem ähnlichen System führen...

  • S
    Selpeter

    "sein Land der einzige Staat Europas, der noch Todesurteile vollstreckt"

     

    haha. taz macht Propaganda. Was ist denn mit dem demokratischen "Musterland"; der USA? Ich glaube, da gibt es die Todesstrafe noch, oder?

     

    Abgesehen davon ist es fraglich, was humaner ist?

    Ein Leben in einem Loch eingesperrt sein, weil mein angegeben hat, über Rot über die Ampel zu gehen (=Sicherheitsverwahrung), oder Todesstrafe?

  • PS
    Post Scriptum

    Ich würde all den Lesern, die diesen Artikel kommentiert haben und glauben, in einer Diktatur zu leben, wirklich ans Herz legen, falls sie es sich leisten können, etwas mehr zu reisen: muss nicht gerade Minsk sein, es sollte aber etwas anderes als Mallorca und Ballermann sein oder sonstige Tourismushochburgen (ich bin mir bewusst, dass ich hiermit Vorurteile bediene, die natürlich falsch sind, mache ich jetzt aber trotzdem wegen der Pointe). Es gibt da draußen Wirklichkeiten, die ganz anders sind, man muss erst einmal lernen, wie man sich die vorstellen kann.

    Sonst kann ein Bibliotheksbesuch manchmal auch für einen die Welt mindestens ein bisschen zu recht rücken, auch eine sinnvolle Nutzung von Internet, Fernsehen, Zeitungen usw. kann da auch hilfreich sein.

    Kritisches Bewusstsein ist wirklich eine tolle Sache, aber man sollte vielleicht versuchen, das, worüber man sich kritisch äußert, auch mindestens einigermaßen zu begreifen.

  • Q
    Querulant

    @Rainer Lupen-Demokrat:

    Vielleicht eher wie Adolf Hitler? Zu erst jubeln alle und danach will es keiner gewesen sein... oder war das schon wieder eine unzulässige Nazikeule? Pardon, der Vergleich hinkt wirklich. Hitler hatte ja niemals 80 Prozent erreicht und bei den Wahlen gab es tatsächlich noch Alternativen...

  • RL
    Rainer Lupen-Demokrat

    Demokratie ist die Diktatur der Mehrheit und seit 1994 wollen 80% der Bevölkerung den Mann als Präsidenten haben.

     

    Oder ist das mit Lukaschenko so wie mit der FDP, hinterher will ihn keiner mehr gewählt haben?

  • G
    guapito

    Ich kann den ersten beiden Kommentaren hier nur zustimmen: Heuchelei ohne Ende!

    Wo wird denn in Europa nicht diktatorisch regiert?

    Deutschland beispielsweise kann man als eine Wirtschaftsdiktatur mit der Doktrin des ewigen Wachstums bezeichnen.

  • KB
    K. Bierbichler

    Wie bitte?

    Sämtliche Vorwürfe an Luk. treffen doch ebenso auf die sog. "Demokratischen Länder" Europas zu.

     

    Und die Forderung, die Todesstrafe abzuschaffen, während man sie in den Verträgen von Lissabon 2007 bei uns durch die Hintertür wieder eingeführt hat, ohne dem Volk etwas davon zu erzählen (Ja, Fr. Merkel hat DAS unterschrieben. Das und noch mehr!), diese Forderung ist doch absolute Heuchelei.

     

    Wie gewohnt von den "Herrschaften".

     

    Werden Sie das hier veröffentlichen? Ich glaube nicht daran..

  • T
    tageslicht

    Der einzige Diktator? Und Berlusconi ist Demokrat, oder was?