PORTRAIT: Agent 007 kriegt eine Chefin
■ Das Londoner Innenministerium ernennt Stella Remington (56) zur Chef-Schnüfflerin
Dublin (taz) — Der britische Geheimdienst MI5 bekommt zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Chefin. Das Innenministerium ernannte am Montag die 56jährige Stella Rimington zur Nachfolgerin von Patrick Walker, der im Februar in Pension geht. Stella Rimington arbeitet bereits seit 22 Jahren in der Spionageabwehr und leitete früher die Abteilung F2, die für die Bekämpfung von Terrorismus und „einheimischer subversiver Organisationen“ zuständig ist.
Die öffentliche Bekanntgabe des Führungswechsels beim MI5 ist eine Abkehr von der bisher üblichen Geheimniskrämerei. Bis vor wenigen Jahren wurde nicht mal die Existenz der Schnüffeldienste MI5 und MI6 zugegeben.
Darüber hinaus plauderte das Innenministerium aus, was man sich von Stella Rimington erwarte: Nach ihrer Amtsübernahme im kommenden Februar soll sie eine neue Offensive gegen die Irisch-Republikanische Armee (IRA) organisieren. Dem Ministerium geht es dabei vor allem um die Sammlung von nachrichtendienstlichem Material in der Republik Irland, immerhin ein souveräner Staat — auch wenn man das in London oft nicht wahrhaben will.
An Agenten wird es der MI5-Chefin nicht mangeln. Aufgrund der „schwindenden Gefahr aus dem Osten“ dreht eine ganze Armee von Spitzeln des MI6, der Abteilung für Auslandsspionage, in den ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts Däumchen. Einige davon sollen nun abgezogen werden und den MI5 bei der Terroristenhatz unterstützen. Ob das gutgeht? Zwischen den beiden Geheimdiensten herrscht seit eh und je ein harter Konkurrenzkampf.
Die britische Regierung bezeichnete die Ernennung Stella Rimingtons „als jüngstes Beispiel dafür, daß Premierminister John Major die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu vergrößern“ trachte.
Wer hätte das gedacht? Womöglich nimmt er demnächst sogar noch eine Frau in sein Kabinett auf. Ralf Sotscheck
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