Ärger um Gaspreise: Versorger zocken weiter ab

Der Gaspreis hängt am Ölpreis. Und der ist durch die Wirtschaftskrise deutlich gefallen. Doch das geben die Unternehmen nur zum Teil an ihre Kunden weiter.

Die Verbraucher müssen auf Sparflamme kochen, derweil die Konzerne kräftig einsacken. Bild: dpa

Die deutschen Energieunternehmen nehmen einer aktuellen Studie zufolge ihren Kunden noch immer zu viel Geld für ihre Gaslieferungen ab. Mit Blick auf den Ölpreis, der auch Maßstab für die Berechnung der Gastarife ist, müssten die Gasversorger zu Beginn der diesjährigen Heizperiode ihre Preise um rund 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr senken. Tatsächlich werden sie ihren Kunden aber im Schnitt nur 20 Prozent weniger berechnen, hat der Kölner Energieexperte Gunnar Harms im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen herausgefunden. Das bedeute für jeden Haushalt im Schnitt ungerechtfertigte Mehrkosten in Höhe von 80 bis 90 Euro pro Jahr und für die Unternehmen Mehreinnahmen in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

"Viele Kunden zahlen immer noch zu viel für ihr Gas, weil die Bundesregierung, ähnlich wie beim Strommarkt, die Auseinandersetzung mit den großen Platzhirschen scheut", kommentiert die grüne Energie- und Verbraucherschutzexpertin Bärbel Höhn die Ergebnisse. Bereits im April hatte die Fraktion eine entsprechende Studie veröffentlicht. In dieser kam der Autor Uwe Lepprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken zu dem Schluss, dass die Preisrückgänge am Ölmarkt zum damaligen Zeitpunkt lediglich zu rund 50 Prozent an die Kunden weitergegeben worden seien. Seitdem ist der Ölpreis aber wieder deutlich angestiegen, was die neue Studie berücksichtigt. Zudem wurden im Frühjahr nur fünf Unternehmen untersucht, jetzt bilden alle deutschen Gasversorger die Grundlage der Datenerhebung.

Diese breitere statistische Basis bringt dann auch ein interessantes weiteres Ergebnis: Die Stadtwerke, an denen sich die großen Energiekonzerne RWE, Eon oder EnBW nicht beteiligt haben, böten ihren Kunden das Erdgas günstiger an. Die von den Kartellbehörden zugelassene Beteiligung der großen Konzerne an rund 400 Stadtwerken habe also zu Nachteilen für den Verbraucher geführt.

Die Studie zeigt zudem, dass weiterhin große regionale Unterschiede bestehen. So zahlen die Kunden in Berlin 4,74 Cent pro Kilowattstunde, während in Mecklenburg-Vorpommern 5,75 Cent pro Kilowattstunde berechnet werden. Auffällig sei, dass die niedrigsten Preise im nordwestdeutschen Raum tendenziell auch mit den höchsten Senkungen verbunden seien, während die Länder mit den niedrigsten Senkungen in Ostdeutschland auch die höchsten Preise zu verzeichnen hätten.

Damit die Gaskunden künftig tatsächlich in vollem Umfang von der Senkung der Ölpreise profitieren, müsse der Wettbewerb gestärkt werden, fordert Harms. Allerdings müssten neue Wettbewerber mit hohen verwaltungstechnischen Hürden kämpfen. So gebe es noch immer zu viele regionale sogenannte Marktgebiete, in die das deutsche Pipelinenetz eingeteilt ist und mit denen sich ein Wettbewerber, der Gas zu seinem Kunden leiten will, auseinandersetzen muss.

Höhn verweist zudem auf die "problematische Stellung" von Eon Ruhrgas. Das Unternehmen importiere rund 55 Prozent des Erdgases in Deutschland. Dieser großen Marktmacht müsse durch den Zwang zur Versteigerung von Teilen der Importe begegnet werden.

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