Ägypten gewinnt Afrika-Cup: Tutanchamun jubelt

Ägypten ist Final-Sieger, Gastgeber Ghana ist zwar enttäuscht vom dritten Platz, bekommt aber Lob für die erfolgreiche Ausrichtung des Turniers.

Ägyptische Fans jubeln über den Sieg im Finale gegen Kamerun. Bild: dpa

Der Alltag nach dem Fußballfest hat das Leben in Ghana schnell eingeholt. Den Sieg der ägyptischen Fußballnationalmannschaft im Finale des Afrika-Cups haben die meisten Ghanaerinnen und Ghanaer nur noch nebenbei aufgeschnappt. Auch das Stadion füllte sich zum Finalspiel nur schleppend. Zum Anpfiff stand noch rund ein Drittel der Plätze leer. "Wir schauen das Spiel lieber im Fernsehen an, denn die meisten Ghanaer überlegen sich, ob sie Geld für Tickets ausgeben, wenn nicht ihre eigene Mannschaft spielt", sagt Kojo Mensah, ein Taxifahrer in Accra.

Ein paar hundert ägyptische Fans und noch weniger kamerunische hatten es schwer, mitreißende Stimmung im Stadion zu erzeugen. Die traditionellen Saiteninstrumente der Ägypter kamen nicht gegen das Klatschen von Plastikwerbeartikeln. Die Kameruner hatten erst gar keine Trommeln mitgebracht. Dafür aber einen Hohepriester mit Kalabasch-Medizinfläschchen um den Gürtel. Schon vor dem Ende der ersten Halbzeit verdüsterte sich seine Miene, und er reckte minutenlang seine gespreizte Hand in Richtung Spielfeld. Aber Etoo, der unbestrittene Liebling der Massen, erhörte seinen spirituellen Landsmann nicht. Seit den Gruppenspielen schoss er kein Tor mehr, obgleich er nach diesem Turnier als ewiger Torschützenkönig des Afrika-Cups in die Geschichte eingeht.

Lange mussten die ägyptischen Fans ungeduldig aufs erste Tor ihrer Mannschaft in diesem Finale warten. Ein als Tutanchamun verkleideter Pharao-Fan stürmte ungestüm auf den oberen Rängen hin und her. Die Kameruner und auch viele ihnen zugeneigte ghanaische Zuschauer wurden etwas forscher, als mehr und mehr Minuten in der zweiten Halbzeit verstrichen. Sie sahen, wie die Ägypter müde wurden, und rechneten sich Chancen für die körperlich stärkeren "unzähmbaren Löwen" aus Kamerun aus. Aber das Tor von Essam El-Hadary nach einem Fehler des kamerunischen Abwehrschlachtrosses Song schien das Schicksal zu besiegeln. "Wir haben gegen eine bessere Mannschaft verloren", sagte ein kamerunischer Fan nach dem Spiel. "Es lag nicht an unserem Trainer Otto Pfister, manchmal hat man im Fußball Glück, manchmal nicht", sagte der von Kopf bis Fuß in kamerunischen Farben angemalte Mann. Obwohl er fünf Tage mit Bussen aus dem nördlichsten Teil Kameruns, durch Nordnigeria und Nordghana endlich hier ankam, war er ein glücklicher Mann.

Trotz des Ereignisses beherrscht am Tag nach dem Finale ein anderes Gesprächsthema die Straßen Ghanas. Noch immer wird über die Niederlage im Halbfinale geredet. Auch der Sieg über das Nachbarland Côte dIvoire im kleinen Finale und somit der Gewinn der Bronzemedaille können sie kaum trösten. Viele fordern den Kopf des französischen Trainers LeRoy. Der sah sich in einer Titelgeschichte einer Sportzeitung gestern genötigt, einen vorzeitigen Rücktritt auszuschließen. Noch immer wird die Aufstellung gegen Kamerun hitzig debattiert. Dennoch geht auch in Ghana das Leben weiter. "Dieser Afrika-Cup hat uns Ghanaer zusammengebracht, was wichtig ist in dem Jahr, in dem allgemeine Wahlen stattfinden", sagt die Studentin Akawari Linuru Antindem.

Noch mehr Streicheleinheiten bringt das große Lob von allen Seiten für die gute Organisation des Turniers. "Ghana hat ein fantastisches Turnier zustande gebracht - Stadien, Sicherheit, Organisation", sagt Ifeanyi Ibeh, Reporter der größten nigerianischen Sportzeitung Complete Sports. "Das können andere Länder in Afrika nun als Maßstab nehmen, wo ja immer viel aus dem Westen bezüglich Infrastruktur kritisiert wird", sagt der nigerianische Journalist. Er geht sogar so weit, Ghana als möglichen Ausrichter einer Weltmeisterschaft zu sehen. Das sind gute Nachrichten in einer Zeit, da die organisatorischen Probleme Südafrikas für die WM 2010 deutlicher werden. Aus Ghana geht der Blick nun zur kommenden Afrikameisterschaft in zwei Jahren in Angola.

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