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„55 Monate Dachau“

■ Ein autobiographischer Bericht neu aufgelegt im Donat-Verlag

Steif und neu fühlt sich das kleine Bändchen 55 Monate Dachau von Walter Ferber an, das soeben im Donat Verlag erschienen ist. Dabei ist der Inhalt schon viel älter: Es handelt sich um eine Wiederauflage aus dem Jahr 1945. Der Umschlag signalisiert: Dies ist ein geschichtlicher Beitrag.

Und wirklich: Wie ein Dokument lesen sich die ersten 60 Seiten des Buches, die aus der frischen Erinnerung eines Mannes verfasst wurden, der dem Konzentrationslager gerade drei Jahre vorher entkommen war.

Mit dem Schreiben des Buches folgte Walter Ferber der Bitte, einen Beitrag zur „Umschulung“ des deutschen Volkes zu leisten. Aber gerne tat er das nicht: „Wer einem wirklichen Grauen entronnen ist, liebt es nicht, die Erinnerung daran zu pflegen! „ So leitete er die Beschreibung des Lebens im Konzentrationslager Dachau ein.

Seine Schilderungen sind erstaunlich sachlich und distanziert geraten. Eigene Empfindungen hat Ferber aus dem Buch herausgehalten — und wird damit zum Chronisten. Seine dokumentarisch-distanzierte Haltung, mit der er den SS-Terror schildert, verleiht dem Bändchen einen bemerkenswerten Charakter. Einerseits.

Die Tatsache, daß es eine Vielfalt von Dokumenten gibt, die die Situation in den Lagern umfassender dokumentieren und analysieren, begrenzt das Buch in seiner Aussagefähigkeit. Den Massenmord an den europäischen Juden, an den ein großer Teil der heutigen Gedenkstätte gemahnt, erwähnt der Autor mit keinem Wort. Warum das so ist, bleibt eine offene Frage.

Aber es geht den Herausgebern auch um die Würdigung des Autoren, des 1907 geborenen Demokraten, Föderalisten und engagierten Katholiken Werner Ferber, der in Deutschland wenig Beachtung fand. Auf den letzten 20 Seiten wird nicht nur sein Leben in kurzen Worten dargestellt. Die Einschätzungen über Ferber als humanistisch gesonnenen Zeitgenossen werden im Zusammenhang mit seinen Lagererfahrungen von Reinhard Bockhofer einfühlsam interpretiert.

In seiner Gesamtgestaltung ist das kleine Büchlein eine gelungenes Zusammenstellung. Dazu tragen auch die Zeichnungen von Jan Komski, einem polnischen Künstler und ehemaligen KZ- Häftling, bei. Auch sie entsprechen der dokumentarischen Natur des Buches. ede

55 Monate Dachau - Ein Tatsachenbericht, Walter Ferber/ Donat-Verlag, 16,80 Mark

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