5 dinge, die wir gelernt haben:
1 Diese WM wird biblisch
Die Fußball-WM hat jetzt einen Soundtrack. Ein Country-Song soll der ganzen Welt Lust auf Kanada, Mexiko und die USA machen und das dortige Fußballturnier im Sommer. Das Lied heißt „Lighter“ und handelt von gesprengten Ketten und der Erleichterung, dem Teufel entkommen zu sein. Leider klingt es wie eine Hymne aus dem Bible Belt beziehungsweise so generisch, als wäre es von KI geschrieben. Doch nicht nur der Song, auch die politische Lage könnte Fans auf Abstand halten. Erst diese Woche warnte Amnesty International vor der Anreise und einem „Fest im Schatten der Repression“.
2 Not macht flexibel
Für die Deutschen war es das Klopapier, für die Franzosen durften während der Coronapandemie Wein und Kondome nicht fehlen. Nun löst die Ölkrise einen neuen Run auf die Supermärkte aus, besonders in Südkorea. Dort hamstern die Menschen aus Sorge, auf ihrem Unrat sitzen zu bleiben, gerade die einzig im Land erlaubten Müllbeutel. Da hilft es, sich daran zu erinnern, dass Regeln nur so lange bestehen müssen, solange sie einem dienen. Wenn es wirklich gar keine dieser Müllbeutel mehr gäbe – kündigte die Regierung an –, dürften auch andere Plastiksackerl genutzt werden.
3 Ohne Energie funktioniert fast nichts mehr
Die Öl- und Gaskrise hat in vielen Ländern noch ganz andere Folgen als Müllbeutelmangel und hohe Preise an der Tankstelle. Sie ist in jeder Ecke des Alltags zu spüren. Viele indische Restaurants etwa haben fettgebackene Gerichte von der Karte genommen, weil das Frittieren besonders viel Energie verbraucht. Andere Restaurants haben zwischenzeitlich ganz geschlossen. In Laos gibt es Schulunterricht nur noch drei Tage die Woche, in Sri Lanka ist Mittwoch jetzt ein offizieller Feiertag, und in manchen Ländern könnte es schon bald gar kein Öl und Gas mehr geben.
4 Lieber Wal statt Qual
Statt mit dem globalen Horror und seinen Folgen für die Menschen beschäftigte sich Deutschland vergangene Woche lieber mit Geschichten von Timmy und dem Wolf: Der sterbende Buckelwal in der Ostsee und der Wolf, der sich in Hamburg in ein Einkaufszentrum verirrte und ausgerechnet die Person biss, die ihm helfen wollte. Beide Tiere waren eine willkommene Ablenkung für all die Leiden in der Welt, an denen der Mensch Schuld hat, die sich für die Einzelnen aber oft zu groß anfühlen. Wenn wir genau hinsähen, sähen wir diese Leiden sogar in ihnen.
5 Wenn das System will, kann es Covid-Betroffenen helfen
Es lohnt sich zu kämpfen. Seit dieser Woche muss die Frage, ob Menschen mit Long oder Post-Covid Hilfe bekommen, nicht länger eine des Geldbeutels sein. Für die Betroffenen hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Kassen, Kliniken und Ärzt*innen nun erstmals vier Medikamente „off-label“ als gesetzliche Krankenkassenleistung freigegeben. Bisher waren die Arzneien nur für andere Krankheiten zugelassen. Für die Betroffenen versprechen sie zwar keine Heilung, aber sie mildern Symptome ab. Das ist zumindest ein Anfang. (ola)
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