25 Jahre Privatfernsehen: Sat.1 darf nicht feiern

Der erste deutsche Privatsender Sat.1, der sogar einen Tag vor RTL auf Sendung ging, macht kein Geburtstags-Heititei: Kurz vor der Übernahme muss gespart werden. Schade eigentlich.

Schaut RTL beim Feiern zu: Sat.1. Bild: dpa

"25 Jahre RTL - die große Jubiläumsshow" (Sa., 20.15 Uhr) verspricht nicht weniger als "ein Vierteljahrhundert TV-Geschichte", schreibt das Fachblatt TV Spielfilm, das es wissen muss.

Nun ist RTL ja schön und gut und muss sich bloß gefallen lassen, dass Sendergründervater Helmut Thoma seine allgegenwärtigen Glückwünsche mit dem dezenten Hinweis würzt, früher, also unter seiner Ägide, sei der Sender sogar lange unangefochtener Marktführer gewesen. Aber wo bitte steckt Sat.1?

Der Sender, der damals als PKS sogar schon einen Tag vor RTL aus dem berühmten Ludwigshafener Keller auf Sendung war, mit Jürgen Doetz ("Meine sehr verehrten Damen und Herren, in diesem Moment sind Sie Zeuge des Starts des ersten privaten Fernsehveranstalters in der Bundesrepublik Deutschland") veranstaltet zum Jubelfest - nix. Niente. Nada. Dabei sendete RTL damals noch aus Luxemburg und war so streng genommen nicht mal ein deutscher Sender.

Aber Sat.1 ist unter die Investoren gefallen, anders als bei der Berliner Zeitung gibt es in dieser TV-Posse keinen weißen Ritter, und das Ende der Geschichte ist so traurig wie klar: Spätestens im Sommer, wenn Sat.1 mehrheitlich zur Konzernzentrale der ProSiebensat.1 AG nach München zwangsumgezogen wird, bleibt nur noch die Marke als Hülle. Das eigenständige Programm, das zu seiner Hochzeit mit Erich Böhmes "Talk im Turm" den Polittalk erfand, einen gewissen Harald Schmidt ganz groß machte, mit "ran" die TV-Bundesligaberichterstattung modernisierte und dem Publikum den aufwändigen Mehrteiler als "TV-Event" neu verkaufte, ist dann endgültig Geschichte.

Dass die sich noch immer als Sat.1-ler und sonst gar nichts fühlenden MitarbeiterInnen sich jetzt nicht mal im eigenen Programm feiern dürfen, ist schofelig. Aber für einen nach Sparvorgaben ferngesteuerten Sender nur konsequent.

Ein bisschen Jubiläumsprogramm gibts aber doch - unfreiwilliges: Ab heute recycelt Sat.1 das trübe Männercasting "Mann-O-Mann" aus den 90ern als "Mister Perfect - der Männertest".

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de