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Die Kathedrale von Helsinki liegt nahe der Ostsee

27. August – 5. September 2026

Finnland und Estland

  • Helsinki – Vaalimaa – Tallinn – Narva – Tartu – Tallinn
  • 2.280 € (DZ/HP/ohne Anreise)
  • Reiseveranstalter: Via Cultus Studienreisen, Karlsruhe

mit Barbara Oertel, taz-Auslandsredakteurin

Russlands Krieg gegen die Ukraine stellt Europa vor ganz neue Herausforderungen. In Finnland und Estland, beide mit einer langen Grenze zu Russland, ist das Bewusstsein von dieser Situation besonders stark entwickelt. Die Reise wird der Frage nachgehen, wie sich die Menschen im Alltag auf diese Bedrohung eingestellt haben und wie Zivilgesellschaft und Politik darauf reagieren. Dabei lernen Sie die Hauptstädte beider Länder und ihre sehenswerte Architektur kennen sowie Kostproben der Kulturtraditionen und kulinarischer Spezialitäten. Die Reise beginnt in Helsinki und endet in Tallinn; in beiden Ländern geht sie auch in Grenzgebiete zu Russland.

Programm

Russlands Krieg gegen die Ukraine, der am 24. Februar 2022 begonnen hat und dessen Ende nicht abzusehen ist, stellt den europäischen Kontinent vor allem sicherheitspolitisch und militärisch vor ganz neue Herausforderungen. Hinzu kommt, dass mit US-Präsident Donald Trump seit Januar 2025 zum zweiten Mal ein Mann im Weißen Haus sitzt, der innerhalb der Nato nicht länger als verlässlicher und berechenbarer Partner gelten kann.

Wie positioniert sich Europa – jetzt, da die europäische Sicherheitsarchitektur auf den Kopf gestellt ist? Eine abschließende Antwort gibt es noch nicht. Allerdings haben viele der politisch Verantwortlichen verstanden: Nichtstun ist keine Option.

Diese Einschätzung teilen vor allem die nordischen Staaten, wie die baltischen Länder Estland, Litauen und Lettland, aber auch Finnland und Schweden. Sie verfolgen die aktuellen Entwicklungen genau und mit einem wachsenden Gefühl der Bedrohung – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund ihrer historischen Erfahrungen. Daher ist es so spannend wie erhellend, zwei dieser Staaten genauer in den Fokus zu nehmen: Finnland und Estland. Beide haben vieles, was sie trennt, aber auch vieles, was sie verbindet.

Karte der Grenze zwisfchen Finnland und Russland mit 9 ehem. Grenzstationen, von denen derzeit nur 2 geöffnet sind, darunter Vaalimaa
Karte der Grenze zwischen Finnland (Suomi) und Russland mit den früher 9 Übergängen, die derzeit alle geschlossen sind. Bei der Reise fahren wir zur Grenze bei Vaalimaa. Foto: Archiv

Gemeinsam ist ihnen, dass beide eine Grenze zu Russland haben. Darüber hinaus sind Est*innen und Finn*innen auch kulturell und sprachlich eng miteinander verwandt, Estnisch und Finnisch gehören zu den finno-ugrischen Sprachen, was eine Kommunikation, trotz aller Unterschiede, zumindest erleichtert.

Ein prägendes Ereignis für Finnland (heute rund 5,6 Millionen Einwohner*innen) war der sogenannte dreimonatige Winterkrieg gegen die Sowjetunion 1939/40. Finnland musste zwar erhebliche Gebietsverluste hinnehmen, konnte aber seine Unabhängigkeit bewahren. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt durch einen neutralen Kurs in der Außenpolitik (sogenannte Finnlandisierung).

Am 1. Januar 1995 trat Finnland der Europäischen Union bei. Vor allem Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022 führte zu einem Umdenken in Bezug auf die Bündnisneutralität. Zwei Monate später, im April, sprachen sich laut einer Umfrage 68 Prozent der Finn*innen für einen Beitritt zur Nato aus. Im Mai desselben Jahres stellte Helsinki einen Antrag auf Aufnahme in das westliche Verteidigungsbündnis. Am 4. April 2023 wurde Finnland, dessen Grenze zu Russland circa 1340 Kilometer lang ist, 31. Mitglied der Nato.

Fassade des Okkupationsmuseum Vabamu in Tallin
Estland gedenkt an die Okkupationen des Landes von 1944 bis 1991 im Okkupationsmuseum Vabamu Foto: Sergei Reschikoff

Estland war von 1918 bis 1940 ein unabhängiger Staat. Dem folgten nach dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 eine erste sowjetische Okkupation von 1940/41, sodann eine Besatzung durch Nazi-Deutschland (1941 bis 1944) sowie eine erneute Okkupation durch die Rote Armee 1944, die in der Eingliederung des Landes in die Sowjetunion mündete, als Estnische SSR (ESSR). Die wechselvolle Geschichte Estlands im 20. Jahrhundert hat die finnisch-estnische Autorin Sofi Oksanen in zahlreichen Romanen, wie „Stalins Kühe“ verarbeitet, die auch in deutscher Übersetzung vorliegen.

Ende der 80er Jahre waren die Zeichen von Widerstand und Protest auch in Estland nicht mehr zu übersehen. Unvergessen sind die Bilder, als am 23. August 1989 rund zwei Millionen Menschen in Estland, Lettland und Litauen für ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion demonstrierten. Am 20. August 1991 erklärte Estland seine Unabhängigkeit, die im September 1991 anerkannt wurde. Heute leben in Estland rund 1,5 Millionen Menschen. Rund 23 bis 24 Prozent sind russischstämmig, was ein gewisses Konfliktpotenzial birgt.

Blick auf die Altstadt von Tallinn
Die Altstadt von Tallinn; die Stadt entwickelte sich nach ihrem Beitritt zum Hanse-Städtebund im Jahr 1285 zu einem Knotenpunkt des Ostseehandels und wurde über 200 Jahre vom Deutschen Orden beherrscht; bis 1918 hieß sie "Reval". Foto: Jan Ledermann auf unsplash.com

Auf der Reise erwarten uns eine Reihe interessanter Gesprächspartner*innen. In Finnland treffen wir zwei Vertreter*innen vom Linksbündnis (Vasemmstoliitto): Die Parlamentsabgeordnete Veronika Honkasalo und Parvo Arhinmäki, aktuell Vize-Bürgermeister von Helsinki. Im April 2027 finden in Finnland Parlamentswahlen statt. Sie dürften bereits im Herbst ihre Schatten voraus werfen. Jüngsten Umfragen zufolge könnte die Sozialdemokratische Partei (SDP) stärkste Kraft werden.

Ein renommierter Experte für Außenpolitik wird uns zu Fragen der finnischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Finnlands Rolle im Verbund mit anderen nordischen Staaten Rede und Antwort stehen. In Finnland gilt eine allgemeine Wehrpflicht, die eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Das Land hat eine aktive Truppenstärke von rund 28.000 sowie eine gut ausgebildete Reserve von 900.000 Personen. Aber es gibt auch junge Menschen, für die Dienst an der Waffe keine Option ist. Wir werden eine Nichtregierungsorganisation besuchen, die sich speziell für die Rechte von Wehrdienstverweigern einsetzt.

Eine Tagestour führt uns nach Vaalimaa an die finnische-russische Grenze. Sie hat insgesamt eine Länge von rund 1.340 Kilometern. Der Übergang in Vaalimaa ist, wie alle anderen Grenzübergänge auch, derzeit für den regulären Reiseverkehr geschlossen.

Der Zaun Finnlands an der Grenze zu Russland
In den letzten Jahren hat Finnland seine Grenze zu Russland durch einen Zaun gesichert Foto: Archiv

Momentan lässt die finnische Regierung einen 200 Kilometer langen Grenzzaun errichten, der in diesem Jahr fertig gestellt werden soll. Das Ziel ist, illegale Einwanderung und hybride Bedrohungen zu verhindern. Wir besuchen auch die Bierbrauerei „Takatalo &Tompuri“, wo wir mehrere Biersorten und landestypische Köstlichkeiten verkosten können. Der Besitzer wird uns berichten, welche Schwierigkeiten die Grenzschließung für Gewerbetreibende mit sich bringt.

Zum Programm der Reise gehört in Helsinki der Besuch eines Bunkers. Im Merihaka-Shelter, dem größten des Landes, können Im Ernstfall bis zu 6.000 Menschen Schutz finden. Insgesamt verfügt allein Helsinki in unterirdischen Zivilschutzeinrichtungen über 900.000 Plätze - mehr, als die Stadt Einwohner*innen hat. Die Schutzräume sind in den Granitfels gehauen, auf dem Helsinki erbaut ist. Das Besondere: in Friedenszeiten dienen sie als Eishallen, Schwimmbäder, Parkplätze oder Freizeitanlagen.

Doch immer mehr junge Menschen in Finnland kommen mit sich und ihrem Leben nicht zurecht. Mentale Probleme sind weit verbreitet, der Drogenkonsum steigt. Hinzu kommt eine wachsende Jugendarbeitslosigkeit, deren Wert alarmierend ist. Vertreter*innen einer Jugendorganisation werden uns berichten, welche Strategien es gibt und wie mit dieser Herausforderung umgegangen wird.

In den Fels unterhalb Helsinki gibt es über 500 Bunker, die derzeit für andere Zwecke genutzt werden, hier eine Schwimmhalle
Helsinki besitzt ein unterirdisches Bunkersystem, mit über 5000 Luftschutzräumen, die im Frieden als Eishallen, Parkplätze oder Freizeitanlagen dienen - hier ein Schwimmbad Foto: Archiv

Im Anschluss an unsere Tage in Finnland setzen wir mit der Fähre nach Tallinn in Estland über. Wie sagte einst ein estnischer Journalist: „Wir blicken vor allem nach Finnland.“ In der Tat: Beide Staaten sind enge Partner, Finnland ist einer der wichtigsten Investoren in Estland.

In Tallinn, der Hauptstadt des Landes und im Mittelalter eine bedeutende, wohlhabende Hansestadt, werden wir zunächst die Altstadt erkunden – architektonisch ein veritables Kleinod. Wir sprechen mit einem russischen Journalisten, der bei einer russischsprachigen Zeitung arbeitet und besuchen die russische Nichtregierungsorganisation „Europian Russia“ - eine Anlaufstelle vor allem auch für Russ*innen, die ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen mussten.

Nicht wenige von ihnen haben Probleme mit ihrem Aufenthaltsstatus und sind von einer Abschiebung bedroht. Ein Priester der Estnisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchiat (EPZMP), die jetzt Estnisch-orthodoxe christliche Kirche (EPCHZ) heißt, wird von seiner Gemeindearbeit berichten. Die Kirche ist einem wachsenden Druck vonseiten des Staates ausgesetzt, die Regierung spricht von einem Sicherheitsrisiko. Im April vergangenen Jahres stimmte das Parlament für Veränderungen im „Gesetz über Kirchen und Pfarreien“, die die Tätigkeit der EPCHZ empfindlich beschränken könnte.

Der Grenzfluss in Narva zwischen Estland und Russland
Der Grenzfluss zwischen Estland und Russland bei Narva mit estnischer Burg (links) und russischer Festung (rechts) Foto: visit estonia

Unsere Reise führt uns sodann nach Narva – die drittgrößte und östlichste Stadt Estlands. 95 Prozent der Bevölkerung sind russischsprachig. Hier lassen sich wirkliche Grenzerfahrungen machen, da Russland nur einen Katzensprung entfernt von Narva liegt. In Narva treffen wir einen Künstler, der die Stadt in jüngster Zeit architektonisch mitgestaltet hat und auch weiter an einer modernen Gestaltung des Stadtbildes mitwirkt. Zudem besuchen wir das Kulturzentrum „Haus Ingrii“, wo es eine Menge über die Kultur und Traditionen finno-ugrischer Völker zu erfahren gibt.

Der Rückweg nach Talinn führt uns auf der sogenannten Zwiebelstraße an dem landschaftlichen reizvollen Peipus-See vorbei, das fünftgrößte Binnengewässer in Europa. Ziel ist das Dorf Kolkja, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Hier leben vor allem Nachkommen der russischen Altgläubigen, die sich im 16. Jahrhundert am Ufer des Sees niedergelassen haben. Traditionen, Kultur und Brauchtum werden immer noch hochgehalten. Mehr darüber und was das in der Gegenwart bedeutet, erfahren wir im Museum der Altgläubigen, das von einer Altgläubigen und ihrer Tochter geführt wird.

Ein Platz in Tartu, das 2024 eine "europäische Kulturhaupstadt" war
Tartu, die zweitgrößte Stadt Estlands, war 2024 eine "europäische Kulturhauptstadt" Foto: Marek Lumi auf unsplash.com

Der nächste Stopp ist in Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands und Sitz der ältesten und renommiertesten Universität des Landes. In der Universität treffen wir einen deutschen Historiker, der schon lange in Estland lebt und arbeitet. Und wir schauen bei der Hilfsorganisation Tartu Üllikool vorbei, wo Freiwillige für die Ukraine Tarnnetze herstellen. Am vorletzten Tag in Tallinn bleibt noch ausreichend Zeit für eigene Unternehmungen und Erkundungen.

Solche individuellen Erkundungen sind auch in Helsinki während der Reise möglich. Dort gibt es die Gelegenheit, sich beim Helsinki Festival um zu schauen. Es ist das größte Kultur- und Kunstfestival Finnlands, das jährlich im Spätsommer stattfindet. Die Stadt verwandelt sich in eine große Bühne, die Teilnahme an den meisten Veranstaltungen ist kostenlos.

Bei unseren Abendessen in landestypischen Restaurants sollen kulinarische Gaumenfreunden ebenfalls nicht zu kurz kommen. Die finnische Lachssuppe (Lohikeitto) ist köstlich. Auch Karelische Piroggen (Karjalanpiirakka) sind ein Klassiker in Finnland. Wer mutig und neugierig ist, kann es auch mit gebratenem Rentier versuchen.

Die deftige bodenständige estnische Küche hält Gerichte wie eingelegten Hering, Blutwurst („Verivorst“) mit Sauerkraut, herzhafte Suppen oder Ofengerichte mit Schweinefleisch und Kartoffeln bereit. Ein Muss ist das „Must Leib“, ein dunkles saftiges Roggenbrot. Mit etwas Knoblauch eingerieben, schmeckt es ganz vorzüglich. Kurz gesagt: Lassen Sie sich Finnland und Estland auch auf der Zunge zergehen!

Reiseleiterin: Barbara Oertel

ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und gehört seit 2011 der Redaktionsleitung an. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert.

Bitte buchen Sie die Reise direkt beim Reiseveranstalter

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden, auch wenn sie auf dessen Website nicht aufgeführt ist.