daily dope (266)

Weil die Sommerspiele näher rücken, hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Handlungsbedarf gesehen – und eine Kommission gegründet. Unabhängig soll sie sein und Trainer sowie Offizielle überprüfen, ob diese eine „Dopingvergangenheit“ gehabt haben. Nennen wir die Kommission UKzÜvTuOmD. Die Idee dahinter: Der Sportbund will mit reiner Weste nach China reisen, imageschädigende Medienberichte verhindern, die es im Vorfeld von Olympia immer wieder gegeben hat.

Bei den Winterspielen von Turin hat eine ähnliche Kommission drei Leute aus der Olympiamannschaft verbannen wollen: den Eiskunstlauftrainer Ingo Steuer, Skisprungtrainer Henry Glaß und Sportwissenschaftler Hans Hartleb. Seinerzeit ging es eher um Stasi-Verstrickungen, jetzt soll es bei der UKzÜvTuOmD um die ultimative Aufklärung im Bereich des Dopings gehen. „Diese Kommission soll uns nach dem Vorbild der Gauck-Kommission beraten“, sagt DOSB-Präsident Thomas Bach: „Sie soll uns einen unabhängigen Rat geben, wenn es beispielsweise um die Nominierung von Trainern für Olympische Spiele geht.“ Evaluieren darf etwa Heidemarie Ecker-Rosendahl; die Leichtathletin hat 1972 zweimal Olympiagold gewonnen.

Neu ist die Einberufung einer solchen Kommission nicht. Bereits 1990 hat es unter dem Vorsitz von Manfred von Richthofen eine „Ad-hoc-Kommission zur Beratung in Doping-Fragen“ gegeben. Nennen wir sie AHKzBiDF. Hätte sie gründlich gearbeitet, der vereinigte deutsche Sport wäre frei von Spitzeln und Plan-Dopern gewesen. Aber schon damals wurden die Probleme halbscharig angegangen. Man war auf freiwillige Aussagen angewiesen, musste oder wollte den Gesprächspartnern Glauben schenken. „Wir waren weder Staatsanwalt noch Richter“, hat Freiherr von Richthofen zugeben müssen. Ein paar Jahre später hat er eine Anzeige vom Antidopingkämpfer Werner Franke bekommen. Der Vorwurf: Es sei in der AHKzBiDF über strafrechtlich relevantes Doping berichtet worden, Anzeigen wurden aber nicht erstattet. Richthofen beschwerte sich über die „unglaublichen Angriffe des Fanatikers Franke“ und durfte sich über die Gründung einer neuen Kommission freuen: die LK, Laurien-Kommission, benannt nach iher Vorsitzenden Hanna-Renate Laurien, in den Achtzigern Kultusministerin in Rheinland-Pfalz. Trotz des steten Wirkens der Kommissionäre: Immer wieder wurden Sünderlein entdeckt. Das sollte der UKzÜvTuOmD Mut machen. MV