kurzkritik

Ausgeträumt

Es ist schon wieder 1968: Diesmal in Gilbert Adairs Roman „Träumer“, den Daniel Wahl, Ensemblemitglied am Schauspielhaus und in diesem Fall Regisseur, für die Bühne bearbeitet hat: Die drei Filmfanatiker Théo, Isabelle und Matthew – gespielt von Renato Schuch, Laura de Weck und Konradin Kunze – leben in diesem turbulenten Jahr in Paris.

Sie spielen Filme nach, Klassiker wie „Lolita“, „Spiel‘ mir das Lied vom Tod“ oder „Psycho“. Für die drei Träumer wird das zum Ersatz für die geschlossene Cinémathèque Française – ein Ort, wo am Abend gesellschaftskritische Filme gezeigt wurden.

Die drei jungen Schauspieler rennen überwiegend in Unterwäsche – einmal auch nackt – über die Bühne. Ihre sexuellen Vorlieben mögen von der Revolution geprägt sein, entziehen sich aber jeglicher Norm: Théo und Isabelle sind Geschwister, verhalten sich aber wie ein Liebespaar und Matthew steht eigentlich auf Männer, verliebt sich jedoch in Isabelle.

Wer den Film in ihrem Quiz nicht errät, bezahlt dafür – in Naturalien. Das bedeutet, dass sie entweder vor den anderen onanieren oder Sex haben. Je größer die Konflikte in der Dreierbeziehung werden, desto dynamischer wird auch das Spiel der Schauspieler. Dennoch bringt das Stück thematisch wenig Überraschendes: die 68er sind ausgeträumt.ANJA GRÜNENFELDER

Nächste Aufführungen: 15. 4. um 20 Uhr; 16. 4. um 11 Uhr