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Archiv-Artikel

Pistenverlängerung aus Laune

Bürgerverein: Airbus muss seine Werkspiste gar nicht erneut verlängern. Warum sich die Flugzeugbauer dann den Stress machen sollten, ist schleierhaft

Die Debatte um eine erneute Verlängerung der Airbus-Werkspiste ist um ein überraschendes Element bereichert worden. „Die Start- und Landebahn in Hamburg-Finkenwerder muss nicht verlängert werden“, behauptet die Bürgervertretung Neuenfelde-Francop-Cranz. Die bereits planfestgestellte, wenn auch angefochtene Verlängerung auf 2.684 Meter sei ausreichend. Damit verfolgt die Bürgervertretung eine Argumentation, die der der bisher aufgetretenen Airbus-Gegner diametral entgegengesetzt ist. Diese hatten Airbus unterstellt, eine noch viel längere Piste zu benötigen und damit peu à peu herauszurücken.

Airbus möchte sich mit seinem Werk in Finkenwerder an der Produktion des Riesen-Flugzeuges A380 beteiligen. Der Senat und die Bürgerschaft hoffen, dadurch Hamburg dauerhaft als Produktionsstandort sichern zu können. Weil dem großen Flieger die jetzige Werkspiste nicht ausreicht, wurde deren Verlängerung beschlossen.

Wie Kritiker gleich geunkt hatten, reicht diese Verlängerung Airbus nicht aus: Die Anforderungen an den neuen Flugzeugtyp hätten sich geändert. Das Planfeststellungsverfahren für diese weitere Verlängerung läuft. Die Piste würde dann bis nach Neuenfelde hineinreichen.

Die Bürgervertretung der betroffenen Ortschaften spricht sich zwar „grundsätzlich für das Airbus-Werk als Standort arbeitsplatzintensiver Hochtechnologie aus“, ist jedoch gegen die Pistenverlängerung. Dabei stützt sie sich auf Berechnungen, die Luftfahrtexperten auf der Basis von Kennzahlen des A380 aus dem Internet anstellten.

Airbus argumentiert, die Frachtversion des A380 wiege schwerer und brauche eine längere Start- und Landebahn. Die Bürgervertretung hält dagegen, dass das Flugzeug für die geplanten Überführungs-, Auslieferungs- und Abnahmeflüge nicht stark beladen werden müsse. Dass Airbus davon ausgehe, dass das Flugzeug mit zwei Dritteln seines maximalen Startgewichts (410 Tonnen) abheben müsse, sei unsinnig. Das verlangten weder einschlägige Vorschriften noch die Fluggesellschaften. „Das Argument als solches kann man nicht einfach vom Tisch wischen“, kommentierte ein Sprecher der Lufthansa, der sich aber nicht festlegen wollte.

Bei einer realistischen Zuladung sei die Frachtversion des A380 sogar leichter als die Passagierversion, rechnet die Bürgervertretung vor. Und selbst bei einem Gewicht von 410 Tonnen würde die zunächst beantragte Piste ausreichen.

Unsinnig sei es überdies, von einer Verringerung des Landewinkels von 3,5 auf 3,0 Grad auszugehen, weil es auf vielen Flughäfen Pisten gebe, die mit einem Winkel von drei Grad angeflogen werden müssten. Ein steilerer Winkel würde es einem über den Elbhang einfliegenden Airbus erlauben, früher auf der Piste aufzusetzen und die vorhandene Länge besser auszunutzen. Bei einer Diskussion in Finkenwerder hatte Airbus argumentiert, mit dem für die erste Verlängerung nötigen Deichdurchbruch erlösche die Ausnahmegenehmigung für den 3,5-Grad-Winkel. GERNOT KNÖDLER