: Kontroverser Kaffeesatz
Pistenverlängerung angeblich unnötig: Spekulationen über Airbus-Motive. Initiativen mit konträren Argumenten zum selben Teilziel. Einwender bereiten sich vor
Die Behauptung der Bürgervertretung Neuenfelde-Francop-Cranz, eine Verlängerung der Airbus-Werkspiste in Finkenwerder sei unnötig (taz berichtete), hat zu Spekulationen über die Motive der Flugzeugbauer geführt. Warum sollte Airbus einen Glaubwürdigkeitsverlust in Kauf nehmen, wenn der A380 gar nicht so eine lange Piste braucht?
Die Bürgervertretung hatte Berechnungen vorgelegt, nach denen die Piste mit der bereits planfestgestellten aber noch nicht realisierten Länge von 2684 Metern ausreichen würde: Erstens könnten die Riesenflugzeuge steiler als von Airbus vorausgesetzt zum Landen ansetzen. Zweitens müssten sie längst nicht so schwer beladen werden, wie von Airbus angegeben. Drittens würde eine solche Piste sogar Flugzeugen mit dem gewünschten Start-/ Landegewicht von 410 Tonnen genügen.
Hoffmann nannte als denkbares Motiv für eine Pistenverlänneuengerung auf insgesamt 3273 Meter den Wunsch, eine Planung auf Vorrat zu betreiben. Ein so weitgehender Eingriff wie die Verlängerung nach Neuenfelde hinein, könnte eine Industrialisierung des Süderelbe-Raumes einleiten.
Möglich sei auch, dass Airbus die lange Piste für Transportflüge von Toulouse nach Hamburg benötige, spekulierte der ehemalige SPD-Fraktionschef im Harburger Rathaus. „In jedem Planfeststellungsverfahren müssen Alternativen abgewogen werden“, sagt Hoffmann. Flüge mit einem Gewicht von 410 Tonnen könnten ja auch allein in Toulouse abgewickelt werden.
Genau das zu verhindern, könnte nach Ansicht von Christian Maaß das verborgene Motiv der Pistenverlängerung sein. „Man will die gleichen Bedingungen bieten können wie Toulouse“, sagt der GAL-Bürgerschaftsabgeordnete. Die dortige Werkspiste ist dreieinhalb Kilometer lang und bietet somit einen Standortvorteil.
Die GAL lässt das als Begründung nicht gelten. Man habe zwar der Airbus-Werkserweiterung zugestimmt, sich jedoch stets eine Bedarfsprüfung bei den einzelnen Projekten vorbehalten. Maaß: „Genau das muss jetzt passieren.“ Er liegt damit auf einer Linie mit Gabi Quast vom Schutzbündnis für Hamburgs Elbregion, die Airbus vorwirft, sich der Diskussion über die Pistenverlängerung zu verweigern. Airbus, fordert sie wie die Bürgervertretung, müsse seine Berechnungen offenlegen.
„Wir denken schon, dass das ausreichend dargelegt ist“, sagt Airbus-Pressesprecher Rolf Brandt. Vor Ende der Auslegungsfrist für die Pläne am 9. Oktober wolle er aber nicht Stellung nehmen. Gernot Knödler
Alle, die Einwände gegen die erneute Pistenverlängerung geltend machen wollen, hat das Schutzbündnis morgen ab 19 Uhr in Bundts Gartenrestaurant, Hasselwerder Straße 85, eingeladen. Dort soll auch eine Klägergemeinschaft gegründet werden.