piwik no script img
taz logo

Archiv-Artikel

Brando und Butter

Arte schickt dem legendären „Letzten Tango in Paris“ eine wundervolle Hintergrund-Doku voraus (22.20 Uhr)

Als „Der letzte Tango in Paris“ 1972 nach rechtlichen Querelen endlich in die Kinos kam, da hielten ihn die einen für eine Sensation, die anderen für einen Skandal. Kalt ließ er keinen, dieser Film über die obsessive Beziehung zwischen einem „dirty old man“ und einer jungen Frau. Dass er beides war, skandalös und sensationell, lehrt uns „Es war einmal …“.

Aus zwei Gründen ist es ein Glücksfall, dass Arte dem Film (23.15 Uhr) eine fast einstündige Liebeserklärung des Libération-Journalisten Serge July vorausschickt. Erstens, weil hier ein Experte den Laien auf Kunstgriffe hinweist, die er ansonsten glatt übersehen hätte – wenn etwa im „Letzten Tango“ das vom monolithischen Marlon Brando verkörperte alte Hollywood auf seinen Gegenentwurf, die Nouvelle Vague trifft, personifiziert vom nervösen Truffaut-Schützling Jean-Pierre Léaud. Zweitens, weil Anekdoten über Marlon Brando gerne mal spannender sind als die entsprechenden Filme selbst – wie schon das „Making of“ von Coppolas „Apocalypse Now“ zeigte.

Und so schildert Bernardo Bertolucci, wie er erst Jean-Paul Belmondo („Ich drehe keine Pornos!“) oder Alain Delon („Ich drehe nur Pornos, wenn ich sie selbst produzieren darf!“) für die männliche Hauptrolle gewinnen wollte; wie sich alle Beteiligten vor den Zicken eines Schauspielergenies fürchteten, das nur innerhalb der gewerkschaftlich vereinbarten Arbeitszeiten seine Kunst entfaltete; dass Brando nie seinen Text lernte, sondern ihn anhand von Stichworten frei improvisierte; dass Maria Schneider vor der berühmten Analsex-mit-Butter-Szene keine Ahnung hatte, was da für eine sexuelle Revolution auf sie zukommt – eine Quasi-Vergewaltigung vor laufender Kamera nämlich, von der sich die Schauspielerin laut eigener Aussage bis heute nicht erholt hat.

Die Feministin Germaine Greer räsoniert über den Geschlechterkampf, und weil sie in diesem Film so dominant ist, wird uns ganz nebenbei eine Kulturgeschichte der Farbe Orange erzählt. Einen besseren Trailer hätten wir einem der besten Filme aller Zeiten nicht wünschen können. ARNO FRANK

taz zahl ich illustration
taz zahl ich

Ihnen liegt die taz am Herzen?

Dann hätten wir eine Bitte: Unterstützen Sie uns mit einem freiwilligen Beitrag! Denn wir sind auf unsere Leser:innen angewiesen, wenn wir taz.de auch weiterhin frei zugänglich halten wollen. Mit nur 5,- Euro sichern Sie unseren Journalismus und die Zukunft der taz – sind Sie dabei?