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Kein Schnee von gestern

Die taz Panter Stiftung wird volljährig – in einer Zeit, in der Räume für kritischen Journalismus enger werden. Dem setzt sie entgegen, die richtigen Leute noch nachhaltiger und lokaler zu vernetzen

Teil­neh­me­r*in­nen eines Workshops für Nachwuchsjournalismus der taz Panter Stiftung Anfang 2025 zur Bundestagswahl Foto: Luna Afra Evans

Von Gemma Teres Arilla

Im Jahr 2026 wird die taz Panter Stiftung 18 Jahre alt – volljährig in einer Zeit, in der Öffentlichkeit zunehmend eingeschränkt und angegriffen wird. Erwachsen zu werden heißt heute vor allem, sich nicht auf Einzelne zu verlassen, sondern aufeinander.

Deshalb entsteht 2026 das Panter Network. Erstmals werden ehemalige Sti­pen­dia­t*in­nen und Work­sh­opteil­neh­me­r*in­nen der Stiftung systematisch miteinander vernetzt – Jour­na­lis­t*in­nen aus unterschiedlichen Ländern, Generationen und Arbeitsrealitäten. Nicht als loses Adressbuch, sondern als tragfähiges Netzwerk, das Kooperation ermöglicht, Wissen teilt und Verbindungen zu Redaktionen, Universitäten, NGOs und zivilgesellschaftlichen Initiativen schafft. Der Start ist für Mitte April geplant.

Die Notwendigkeit ist klar: Redaktionen sparen, freie Jour­na­lis­t*in­nen kämpfen ums Überleben, internationale Berichterstattung mit lokalen Experten wird seltener. Kritischer Journalismus ist allein kaum noch möglich. Kooperation ist keine idealistische Option, sondern eine Überlebensstrategie. Gemeinsam entstehen mehr Perspektiven, mehr Reichweite und mehr Schutz.

Das Netzwerk der taz Panter Stiftung speist sich unter anderem aus Projekten mit Jour­na­lis­t*in­nen in Krieg, Exil und Neubeginn. 2026 wird erneut das sechsmonatige Stipendium Rest & Resilience für Jour­na­lis­t*in­nen aus Krisen- und Kriegsgebieten sowie das Daniel-Haufler-Stipendium für deutschsprachige Recherchen in den USA vergeben. Eine neue Ausschreibung für das 18-monatige taz Panter Volontariat zur Förderung von Diversität in den deutschen Redaktionen folgt in Kürze.

Internationale Projekte bleiben ein Schwerpunkt: Das zweijährige MENA Green Panter Projekt mit 25 Klimajournalistinnen aus der arabischen Welt endet 2026 mit einer Präsenzwoche hier in Berlin. In Syrien arbeitet die Stiftung weiter mit 17 Journalistinnen zu Frieden, Wiederaufbau und Pressefreiheit. Auch ukrainische Jour­na­lis­t*in­nen werden im Kontext von Wiederaufbau und Resilienz unterstützt.

Nach Treffen in Berlin und Riga 2025 sind auch 2026 wieder weitere Zusammenkünfte mit Exil­jour­na­lis­t*in­nen in Berlin und Amsterdam geplant. Im Fokus stehen Vernetzung, Lobbyarbeit sowie die konkrete Vermittlung an Redaktionen – für Journalist*innen, die autoritäre Länder wie Belarus, Russland, Aserbai­dschan oder (inzwischen auch) Georgien verlassen mussten.

Gleichzeitig wird auch in Deutschland Öffentlichkeit enger: Lokaljournalismus bricht weg, Debatten verhärten sich. Deshalb startet die taz Panter Stiftung ein bundesweites Projekt mit Nach­wuchs­jour­na­lis­t*in­nen im lokalen Bereich, um Vertrauen in Medien vor Ort zu stärken und neue Formate gegen Nachrichtenmüdigkeit zu entwickeln. Leitend bleibt Solidarität statt Zynismus.

Die taz Panter Preisverleihung im Herbst 2026 (voraussichtlich in Hamburg) zum Thema „Medien von unten“ wird unterstreichen, dass kritischer Journalismus wirkt und öffentlich verteidigt werden muss.

Für taz-Leser*innen heißt das: Viele Texte, Podcasts und Stimmen im Jahr 2026 werden aus Projekten der taz Panter Stiftung entstehen. Neben festen Stiftungsformaten auf ­taz.de (Podcasts Freie Rede und Mauer­echo, Kolumne Krieg und Frieden, Meduza-Auswahl) schreiben zahlreiche Au­to­r*in­nen aus dem Panter Network regelmäßig für die taz und andere deutsche Redaktionen. Öffentlichkeit ist nichts Abstraktes­ – sie entsteht dort, wo Menschen sich zusammentun.

Vielleicht liegt darin die leise Hoffnung dieses Jahres: nicht allein zu kämpfen, sondern gemeinsam öffentlich zu bleiben.

Da die taz Panter Stiftung maßgeblich durch private Spenden finanziert wird, bleibt sie auf Ihre und eure engagierte Unterstützung angewiesen. Vielen Dank für Ihr und euer Vertrauen all diese Jahre. Spenden können Sie, kannst du hier: taz.de/spenden

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