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Wenn es im Live-Club nach WG-Küche riecht

Dicht gedrängt stehen die Menschen im Hamburger Live-Club Knust, bis ins Foyer hinein, von wo aus es keinen Blick mehr auf die Bühne gibt. Dort spielt die Band „Die Braut haut ins Auge“, vier wilde, extrovertierte Frauen, die mit dieser Band in den 1990ern bekannt geworden sind – zumindest all jenen, die sich für deutschsprachige Indie-Bands und die sogenannte Hamburger Schule interessiert haben.

Die Menschenmasse steht, es gibt kaum Bewegung, niemand hat Lust zu drängeln. Und dann steigt dieses Aroma in die Nase: Zwiebeln, Knoblauch und Kartoffelschalen, leicht modrig wie getragene, nasse Kleidung beim Trocknen. Der Geruch kommt von vorn, von hinten, von allen Seiten und da stehen: Männer Ü50. Ein geruchlich dominanter, linksalternativer Männerüberhang prägt dieses Konzert der einzigen Frauenband der Hamburger Schule. Lauter Musik-Nerds, die damals nicht bei Tocotronic und Blumfeld Halt gemacht haben, die sich auskennen in ihrer Plattensammlung und heute noch so riechen wie damals ihre WG-Küchen.

Hamburg- St. Pauli

22.305 Ein­woh­ner*innen,

Millerntor­stadion, Reeperbahn, Hafenstraße und viele Live-Clubs: Von Hamburgs Stadtteilen ist St. Pauli zweifellos der bekannteste.

Auf der Bühne singt derweil Frontfrau Bernadette La Hengst vom „langweiligsten Jungen der Welt“. Die Ü50-Männer verlagern lässig das Gewicht. Und wippen sanft mit. Klaus Irler

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