: Wenn einen fremde Kulturen heimelig reizen
Gewagtes Vorhaben!“ Der Mann meint mich und sein Tonfall ist neutral, ich hatte mit Gemotze gerechnet. Wegen mir müssen er und andere den Blick abwenden von einem Spektakel, das in diesem Jahr zum 40. und letzten Mal stattfindet: Der Samba-Umzug durch Bremens Innenstadt mit rund 100 verkleideten Trommeltrupps nach brasilianischem Vorbild.
30.000 Menschen sind an diesem Samstag dabei, nur wenige begreifen die Musik als Einladung zum Tanz. Stattdessen stehen sie und gucken, an dieser Stelle in drei bis vier Reihen auf jeder Seite der Straße. Genau hier will ich mich durchquetschen auf meinem Weg zum Treffpunkt mit taz-Kolleg:innen am Stadtrand. Dabei habe ich nicht nur mein Rad, sondern einen Besenstiel, an dessen Ende ein kleiner Korb aus Metall befestigt ist. Den brauchen wir, um Holzkugeln aus Gräben zu fischen, in denen wir sie beim Boßeln versehentlich versenken.
Bremen-Mitte
17.600 Einwohner*innen.
Der Karneval hier gilt als der größte Samba-Karneval Europas. Nach 40 Jahren aber ist Schluss für das Team, das ihn ausrichtet. Ob es eine Nachfolge geben wird, ist fraglich.
Bei dem westniedersächsischen Volkssport versuchen zwei Mannschaften mit möglichst wenigen Würfen eine Strecke zurückzulegen. Vielleicht lassen die Karnevalist:innen mich deshalb ohne Murren durch. Wir alle haben uns etwas kulturell angeeignet. Eiken Bruhn
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