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Klimakrise als Alltag

Pro Kopf verursacht Bangladesch nur ein Achtzehntel der Emissionen Deutschlands. 20 Millionen Menschen könnten ihre Heimat verlieren

Von Bernhard Pötter

In Bangladesch ist der Klimawandel eine täglich wachsende Gefahr. In dem kleinen und dicht besiedelten Land bedroht der Anstieg des Meeresspiegels die Küsten. Salzwasser drückt ins Grundwasser und macht Felder unfruchtbar. Die großen Flüsse, gespeist von der zunehmenden Gletscherschmelze im Himalaja, bedrohen das Tiefland. Dazu liegt Bangladesch in der Zugbahn der Wirbelstürme im Indischen Ozean und leidet, wenn der Monsunregen unregelmäßiger wird.

Nach verschiedenen Berichten sind allein durch einen steigenden Meeresspiegel in den Küstenregionen bis 2050 etwa 10 bis 20 Millionen Menschen bedroht. Schon jetzt fliehen Hunderttausende von der Küste in die großen Städte. Nach UN-Angaben ist etwa eins von drei Kindern im Land von klimabedingten Katastrophen bedroht. Um gegen Armut und Stromknappheit vorzugehen, plant die Regierung bis 2040 insgesamt 29 neue große Kohlekraftwerke, teilweise mit chinesischer Finanzierung.

Dabei ist Bangladeschs Beitrag zur Erderwärmung trotz seiner 160 Millionen EinwohnerInnen praktisch null: Die CO2-Emissionen liegen bei knapp 100 Millionen Tonnen (Deutschland: 750 Millionen), das sind 0,3 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes. Pro Kopf stößt das Land damit im Jahr 0,5 Tonnen aus (Deutschland: 9 Tonnen). Das mittlere Jahreseinkommen liegt bei etwa 1.200 Dollar. Das Land verliert jedes Jahr bis zu 1 Prozent seiner Wirtschafts­leistung durch Klimaschäden. Bangladesch hat einen Klimaplan, um den Zuwachs an CO2-Emissionen um 5 bis 15 Prozent zu drosseln. Vor allem versucht sich das Land an den Klimawandel anzupassen: Sicherstellung der Ernährung, Schutz gegen Unwetter, moderne Infrastruktur.