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Kulturkritik – klar und knallrot

Auf leisen roten Sneakersohlen, mit roten Ohrringen und roter Handtasche betrat Professor Christina von Braun, geboren 1944 in Rom, am Montag den Konferenzraum der taz Redaktion. Die LeserInnenbrief-Redaktion hatte die renommierte Kulturwissenschaftlerin und Gender-Theoretikerin um eine Blattkritik gebeten.

„Ihr überflügelt alle anderen Zeitungen, was die feministische Perspektive betrifft, aber ich würde mir eine durchgehendere Genderperspektive wünschen, die den Bezug nicht nur auf Gleichstellungsebene herstellt, sondern in den politischen Diskurs (über Nation, Rassismus, Preußen und AfD) integriert. Und: Ich denke, es gibt für euch im Osten noch großes Potential.“

Ihr eigener Blick für den Osten wurde geschärft, als sie in den 1990ern den Lehrstuhl für Kulturtheorie mit Schwerpunkt Geschlecht und Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin übernahm. Heute forscht sie als Senior Research Fellow am Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und publiziert zu kontroversen Themen, zum Beispiel „Blutsbande: Verwandtschaft als Kulturgeschichte“; „Versuch über den Schwindel: Religion, Schrift, Bild, Geschlecht“.

Ein Abschlusswort? „Sehr gut hat mir die Besprechung von Stefanie de Velascos Roman über eine Kindheit bei den Zeugen Jehovas gefallen. Interessant, dass fast alle Bücher über das Verlassen von orthodoxen Communities von Frauen geschrieben wurden. Dies wäre, auch vergleichend (christlich, jüdisch, muslimisch) weitere Gedanken wert gewesen.“ Gaby Sohl, Leser*briefredaktion