Kommentar von Kaija Kutter über Leben in Kabinen

Eine perfide Dauerlösung

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Hunderte Menschen über Monate in Kabinen in einer großen Halle schlafen zu lassen, deren Decken nach oben offen sind, die zentral beleuchtet sind, die alle Personen im Raum die selbe Luft atmen, die selben Stimmen, Schreie und Geräusche hören lassen.

Als Innensenator Andy Grothe (SPD) im Mai 2016 dieses Ankunftszentrum in Rahl­stedt der Öffentlichkeit präsentierte, hieß es noch, die Menschen würden dort nur wenige Tage bleiben. Es war die Zeit nach dem Herbst 2015, in der Hamburg über 20.000 Geflüchtete aufnahm und die Menschen schlimme Provisorien gewohnt waren.

Flüchtlinge, die erschöpft am Hauptbahnhof ankamen hätten unter freiem Himmel schlafen müssen, hätte die Stadt nicht leere Baumarkthallen aufgeschlossen und Feldbetten aufgestellt. Es waren Helfer, die damals in solchen Hallen mit Stellwänden abgeschirmte Bereiche schufen, um ein Fitzelchen Privatsphäre zu ermöglichen.

In Rahlstedt wurde diese Art Provisorium in deutscher Gründlichkeit zur perfiden Dauerlösung. Und seit Oktober 2018 müssen Geflüchtete mit angeblich „schlechter Bleibeperspektive“ dort Monate in Kabinen leben. Das ist inhuman und eine Quälerei. Und es ist gar nicht nötig, denn es gibt Alternativen. Etliche bessere Erstunterkünfte wurden inzwischen geschlossen.

Grüne und SPD sollten dieses Zentrum zügig auflösen oder es zumindest auf den Ursprungszweck reduzieren. Muten sie so einen Lebensort zu, verspielen sie ihren Anspruch auf Menschlichkeit. Es sind ja nicht mal Räume, die die Menschen dort haben. Die Grünen sagen, sie hätten für Verbesserungen in „kleinem Maßstab“ gesorgt, weil die Belegung auf „grundsätzlich 10 Personen pro Compartement reduziert“ wurde. Das ist lächerlich. Menschen haben ein Recht auf Zimmer, ein Recht auf eine Decke, auf Fenster und auf Tageslicht.