das ding, das kommt

Jesus unterm Skalpell

Mit dem Pinsel allein kommt man nicht weit: Gemälde- Restauration ist ein aufwendiges Geschäft. Erleben lässt sich das derzeit in Braunschweig Foto: Herzog-Anton-Ulrich-Museum/ Claus Cordes

Falls einfaches Zusammenkleben nicht mehr funktioniert, greifen Gemälde-Restaurator*innen wie Chirurg*innen zu Nadel und Faden, um Durchstoßungen und Risse im Leinwandgewebe zu heilen. Auch Skalpelle kommen zum Einsatz, um Schmutzschichten abzulösen. Außerdem: Pinsel zum Retuschieren; Spannzangen, um die Leinwand auf Rahmen zu spannen; Spritz- und Sprühpistolen zum Auftragen eines Firnis; Schnitzeisen und -messer zur Bearbeitung der Holzrahmen. Und optische Hilfsmittel: Scanner und Fotokameras zur Dokumentation des Restaurierungsprozesses sowie Mikroskope, wenn an Details gearbeitet werden muss. Und für die Glättung von Leinwänden gibt es Vakuumtische.

Zumindest eines also kann auch ein Laie in Sachen Gemälde-Restaurierung auf den ersten Blick erkennen: „Die Kunst, ein Gemälde in seiner Substanz und Lesbarkeit zu verbessern und dennoch nur geringe Spuren auf dem Werk zu hinterlassen, kann von einem Laien nicht geleistet werden“, so formuliert es das internationale Restauratoren-Netzwerk Romoe.

Überzeugen kann man sich davon nun im Braunschweiger Herzog-Anton-Ullrich-Museum. Erstmals ist dort nämlich ein Gemälde zu sehen, das zwar im 19. Jahrhundert schon im Museumsinventar erwähnt, aber bislang noch nicht ausgestellt wurde: die „Kreuztragung Christi“ von Pieter Brueghel dem Jüngeren. Schwer beschädigt lag das fast 400 Jahre alte Gemälde jahrzehntelang im Depot des Museums, voller Risse, Löcher und Fehlstellen in der Malschicht. Nun ist es jahrelang restauriert worden und von „der ersten Bestandsaufnahme bis zum letzten Pinselstrich kann das Publikum die Wiederherstellung“ an sechs Stationen nachvollziehen. Robert Matthies

„Brueghel. Ein Meisterwerk restauriert“: bis 17. 5. 2020, Braunschweig, Herzog-Anton-Ullrich-Museum