… und noch vier für die vielen anderen Kleinverlage in Berlin

eta Verlag

Der eta Verlag wurde 2016 in Prenzlauer Berg von der aus Bulgarien stammenden Medienwissenschaftlerin und Slawistin Petya Lund gegründet. Sie betrachtet den Verlag als Kulturvermittler und Dialogförderer und macht mit ihm in Deutschland eine junge Literaturszene bekannt, „die aus den eigenen kulturellen Wurzeln heraus ihre Zugehörigkeit zu einem einheitlichen Europa behaupten möchte“.

Lesetipp: Der Erzählband des 1982 in Sofia geborenen Schriftstellers Yordan D. Raditchkov, „Leben, wo bist du?“. Es geht um Grundsätzliches wie die Frage, was eigentlich Freiheit ist, warum wir Verantwortung übernehmen sollen und warum uns Tod und Teufel immer auf den Fersen sind. Yordan D. Raditchkov: „Leben, wo bist du?“. Aus dem Bulgarischen von Elvira Bormann-Nassonowa. eta Verlag, Berlin 2019, 126 Seiten, 14,90 Euro

PalmArtPress

2008 gründete die gelernte Bildhauerin und Malerin und studierte Kunsthistorikerin und Germanistin Catharine J. Nicely in Wilmersdorf ihren deutsch-englischen Verlag PalmArtPress, besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Literatur und Kultur, was besonders bei den Einblattdrucken zum Ausdruck kommt, zum Beispiel Flugblättern mit Aufklärungs- und Spottschriften. In der Atmosphäre eines Berliner Salons finden in den Räumlichkeiten des Verlags Lesungen, Ausstellungen, Konzerte und rege Diskussionen statt. Auf der Frankfurter Buchmesse ist der Verlag in Halle 4.1, G24 zu finden.

Lesetipp: Wer schon immer mal Bekannten aus dem englischen Sprachraum die Gedichte des glamourösen Begründers des literarischen Expressionismus Jakob van Hoddis nahebringen wollte, der erhält jetzt dazu Gelegenheit, denn mit der zweisprachigen Ausgabe „Starker Wind über der bleichen Stadt/Strong Wind Over the Pale City“ ist bei PalmArtPress erstmals eine größere Auswahl seiner Gedichte auf Englisch erschienen. Jakob van Hoddis: „Starker Wind über der bleichen Stadt/Strong Wind Over the Pale City“. Aus dem Deutschen von Mitch Cohen, Gregory Divers, Irene Stratenwert. PalmArtPress, Berlin 2019, 150 Seiten, 20 Euro

Binooki

Der Binooki Verlag wurde 2012 von den Schwestern Inci Bürhaniye und Selma Wels in Schöneberg mit dem Ziel gegründet, türkische Klassiker und türkische Gegenwartsliteratur erstmals in deutscher Sprache zugänglich zu machen. Das Wort Binooki ist vom türkischen Begriff für den Zwicker, die Brille ohne Bügel abgeleitet. Die Verlegerinnen sagen, dass es ihnen vor allem darum gehe, die Türkei abseits von Klischees wie Moscheen und Tausend-und-einer-Nacht-Fantasien zu zeigen. Wie der Guggolz Verlag (siehe nebenstehender Text „Vom Lesen überzeugt“) ist auch Binooki Preisträger des Deutschen Verlagspreises.

Lesetipp: Die Debüterzählungen „Buch der entbehrlichen Gedanken“ des 1980 geborenen früheren Staatsanwalts und Werbetexters Ömür Iklim Demir über orientierungslose Männer mittleren Alters in Istanbul. Besonders schön bei den zehn in dem Band versammelten Erzählungen: die wundersame Wandlung des abgestumpften Womanizers Taner in einen Gefühlsmenschen durch die zufällige Begegnung mit einer fremden Frau. Ömür Iklim Demir: „Buch der entbehrlichen Gedanken“. Aus dem Türkischen von Gabriela Senti und Mathias Müller Senti. Binooki Verlag, Berlin 2018, 168 Seiten, 18 Euro

edition.fotoTAPETA

Seit seiner Gründung 2007 – damals gab es noch einen Verlagssitz in Warschau und einen in Berlin – widmet sich Andreas Rosteks Verlag europäischer Geschichte und europäischen Geschichten mit besonderem Augenmerk auf das unbekannte Nachbarland Polen. 2018 erhielt der Verlag mit den königsblauen Buchumschlägen, inzwischen ganz und gar im Berliner Stadtteil Moabit ansässig, den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung. Andreas Rostek, der sich selbst als „Perlenfischer der Literatur“ betrachtet, hat übrigens 2017 auch eine eigene Novelle in seinem Verlag veröffentlicht: „Parallelen mit Hund“. Auf der Frankfurter Buchmesse ist die edition.fotoTAPETA in Halle 4.1, E13 zu finden.

Lesetipp: Der Lyrikband „Zirkus“ der 1982 geborenen weißrussischen Dichterin Julia Cimafiejeva. Erfahrungen von Zerrissenheit und Transformation stehen im Vordergrund, und das ist auch sprachlich spannend, denn das Belarussische hat zwei konkurrierende Orthografiesysteme und ist durchlässig zum Russischen, Ukrainischen und Polnischen. Julia Cimafiejeva: „Zirkus“. Aus dem Belarussischen von Thomas Weiler und Tina Wünschmann. edition.fotoTAPETA, Berlin 2019, 92 Seiten, 10 Euro