das ding, das kommt

Temporäre Positionierung

Angebracht, um zu bleiben: Aufkleber dienten auch jetzt zur #klimastreik-Mobilisierung Foto: Abb.: www.klima-streik.org

Gibt es richtiges Kleben im Falschen? Das klingt, zugegeben, nach einem ziemlich lauen Scherz. Aber man konnte sich ja doch fragen in den vergangenen Tagen: Müssen diese „#klimastreik“-Mobilisierungsaufkleber ausgerechnet aus Folie sein, am Ende womöglich – Erdöl? Klar: Ein Thema ist der Klimawandel auch nachdem Berlin nun gaaanz große Koalo-Würfe vorlegte. Aber die Aufkleber (und seien sie doch bloß aus beschichtetem Papier): Müssen die lesbar bleiben über den gestrigen Stichfreitag hinaus?

Folie oder Papier: Das ist sozusagen die erste Weggabelung, an der sich entscheiden muss, wer etwas aufkleben möchte. Das eine Material verspricht längere Lebensdauer, aber auch Kosten; das andere ist günstiger und im Prinzip sogar kompostierbar, und für beides gibt es Anlässe: Nicht immer geht es ja darum, für die Ewigkeit in die Welt hinaus zu senden. Eine Protestnote wie: „Sie haben schon meinen Parkplatz – wollen Sie auch meine Behinderung?“ muss ja nicht Jahre lang zu lesen sein, sondern soll, im Vorbeirollen aufs falsch geparkte Auto aufgebracht, dessen Halter*in zum Nachdenken bringen – analoges Snapchat, sozusagen.

Gerade die Linke, also die, die nicht gleich irgendwelche Parteikassen zur Verfügung hat für solches Material, hat ja so ihre Erfahrung mit günstig hergestellten, gerne nur schwarz-weiß bedruckten Papier-Aufklebern; die dann aber nicht von selbst kleben, sondern deren gummierte (Rück-)Seite angefeuchtet werden muss – was an Selbstgedrehte gemahnt, aber vor allem ihre Namen erklärt: Spuckies oder Schleckies. Ob aber die Anti-AKW-Sonne scheint oder eine Friedenstaube Flügel schlägt: Der Aufkleber ist Nebenprodukt des Zweiten Weltkrieges: Der erforderte das Experimentieren mit allerlei selbstklebenden und haltbaren Materialien. Und so wie es immer mehr privat genutzte Autos gab, zunächst in den USA, erkannte man die Stoßstange, englisch: „bumper“, als rollende Werbefläche; seit den frühen 1950er-Jahren zunehmend auch für die halbanonyme Positionierung etwa im Präsidentschaftswahlkampf.

Dass eine Aussage zum „bumper sticker“ tauge, das beschreibt heute eine Kombination aus plakativ und kompakt: Stehen beide Kommunizierenden nicht gerade im Stau, bleibt ja nur sehr begrenzt Zeit, um so ein Bapperl zu erfassen. Weil sie so oft sehr kontroverse Positionen transportieren, werden die Stoßstangenstatements auch als „soapbox for the automobile“ bezeichnet: als fahrendes Podest zum Reden schwingen. Alexander Diehl