Kito Nedoschaut sich in Berlins Galerien um

Berlin ist ein riesiges Theater. Und doch gibt es Gegenden, wo offensichtlich eine Extremform der hauptstädtischen 24/7-Performance aufgeführt wird. So jedenfalls wirkt die Warschauer Brücke. Irgendwas ist immer. Mit seiner Straßenszene „Warschauer 2“ hat Maximilian Kirmse diesen besonderen Ort auf die Leinwand gebracht: Ein buntes Gewusel aus Passanten ist auf dem Weg durch die Stadt. Das Bild ist Teil der Sommer-Gruppenausstellung „August“ in der Galerie Philipp Haverkampf mit Kunst von zwölf Künstler*innen (u. a. von Okka-Esther Hungerbühler, Anne Fellner oder Kamilla Bischof) die nach einem einfachen „+1“-Prinzip entstanden ist. Die Galerie-Künstler*innen luden je eine*n weitere*n Künstler*in ein. Manchmal scheinen die Werke miteinander zu korrespondieren, wie das surrealistische Mülleimer-Objekt von Toni Schmale oder die balgenden Hunde von Robert Brambora mit der Berliner Straßenszene. Doch ein zusammenhängendes Sommermärchen ist die Schau nicht (bis 7. 9., Mi.–Fr. 11–18, Sa. 11–14 Uhr, Mommsenstr. 67).

Den Wechsel zwischen Drinnen und Draußen, angewandter Gestaltung und freier Kunst beherrscht das seit 2003 existierende Gestalter- und Künstlerduo 44flavours (Sebastian Bagge und Julio Rölle) schon mit einer gewissen Geschmeidigkeit. Unter dem Titel „Koralle Koralle“ zeigen die beiden Künstler im Schöneberger Raum III (initiiert von Elke Giffeler) drei große Leinwände und ein Tischobjekt. Nicht Bedeutungsschwere sondern die Lust an der gemeinsamen, dialogisch realisierten Arbeit mit dem Material scheint hier im Vordergrund zu stehen. Der Tisch, eine Art Assemblage-Objekt, setzt sich tatsächlich aus verschiedenen Möbelteilen zusammen, welche die beiden auf ihren Streifzügen durch die Stadt zusammensuchten (bis 15. 9. Mo.–Do. 9.30–18, Fr. 9.30–14 Uhr, c/o Strategy Studios, Potsdamer Str. 98A).

Für die erste Berliner Collection Night haben sich ein Dutzend private Kunstsammlungen zusammengeschlossen und öffnen für einen Abend gemeinsam ihre Räume, darunter Boros Collection (siehe Einblick), der Me Collectors Room von Thomas Olbricht und die Julia Stoschek Collec­tion. Der Abend bietet aber auch Gelegenheit, weniger bekannte Sammlungen wie die Rocca Stiftung in Zehlendorf oder die Pied a terre Collection von Gudrun und Bernd Wurlitzer zu erkunden. Anlässlich der Sammlernacht wird ein ehemaliger Ballsaal an der Hasenheide mit einer Videoarbeit des Berliner Künstlers Julian Rosefeldt bespielt. Im Frühjahr 2021 zieht dort die Wemhöner Collection ein (23. 8., verschiedene Orte, www.berlincollectors.com).