tazūüźĺsachen
: Am Anfang der Moment

Manchmal sind sich Gegens√§tze in einer Stadt ganz nah. Ein Syrer beispielsweise berichtete mir bei einer Recherche, wie er in Dresden versehentlich in eine Pegida-Demo geriet, und davon, wie ihn ein j√ľdischer Mann gegen rassistische Beleidigungen verteidigte. Als ich mit einem anderen Syrer unterwegs war, gr√ľ√üte der fast jeden dritten Menschen wie jemand, der schon immer hierhergeh√∂rt. Dresden ist sein Zuhause, sagte er. Mein Feierabendbier trank ich in einer St.-Pauli-Fankneipe. Ein paar Meter weiter haben Dynamo-Dresden-Fans ihre Bar. Zwei Fangruppen, die bei Spielen des √Ėfteren aneinandergeraten, trinken in Dresden friedlich nebeneinander.

Manchmal sind solche Beobachtungen nur Momentaufnahmen. Manchmal aber auch der Anfang einer Recherche. So wie im Fall von Freital. Zwei Kolleginnen fiel auf, dass der Ort unweit der Sachsen-WG liegt. Wer Freital h√∂rt, denkt an die rechts¬≠extreme Gruppe Freital, an Anschl√§ge auf Gefl√ľchtete und ihre Un¬≠ter¬≠st√ľt¬≠ze¬≠r*in¬≠nen. Aber wie lebt es sich dort, wenn man sich offen gegen rechts stellt? Belinda Grasnick und Ebru Tasdemir haben nachgefragt (Seite 4‚Äď5).

Auch Bernd Merbitz stellt sich offen gegen Rechtsextremismus, und das aus einer besonderen Position heraus: Er war der Polizeipr√§sident Sachsens. Die Szene hasste ihn als ‚ÄěNazij√§ger‚Äú. Jetzt kandidiert er als Landtagsabgeordneter der CDU. Linda Verschwele portr√§tiert ihn f√ľr die Serie ‚ÄěUnter Leuten‚Äú (Seite 6).

Weniger problematisch findet hingegen das Innenministerium einen Vorfall mit Neonazis und Polizisten, das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage im th√ľringischen Landtag hervor. In Fretterode hatten sich im November vergangenen Jahres rund 100 Rechtsextreme getroffen. Die Polizei drohte damals fotografierenden Journalisten, ihre Privatadressen an die Neonazis weiterzugeben. Alexander Nabert findet diese Haltung in Zeiten von Feindeslisten fragw√ľrdig, schreibt er im ‚ÄěTalk of the Town‚Äú (Seite 14).

Die Wahlen in Sachsen und Brandenburg verfolgt die taz bis zum 3. September mit einer Redaktion in Dresden. Alle Texte: taz.de/tazost

Die Linke in Brandenburg startete eine Volksini¬≠tiative gegen die R√ľckerstattungsanspr√ľche der Hohenzollern. Die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. wollen Geld vom Land und Wohnrecht in Schl√∂ssern. Die Linke ist dagegen, schlie√ülich ist Wahlkampf (Seite 6). Ismail Ismail