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Daimler gegen LGBTIQ+

„Der CSD ist eine entpolitisierte Geschichte“, taz vom 27. 7. 2019

„Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme!“ – Motto des CSD Berlin 2019. Gilt für den CSD 2019: LGBTIQ+-Rechte hören da auf, wo deutsche Wirtschaftsinteressen anfangen? Dieses Jahr bot der CSD Berlin erneut Unternehmen wie Bayer, Deutsche Bank, Amazon und Daimler eine Werbeplattform. Unabhängig von den allgemeinen Geschäftspraktiken dieser Unternehmen, die vielfach Menschenrechte und Würde verletzen, finanziert sich der CSD Berlin so durch die Unterdrückung von LGBTIQ+ insbesondere im Nahen Osten.

Daimler beispielsweise verkaufte 2018 Militärfahrzeuge an Saudi-Arabien, die VAE, Katar und die Türkei. Durch die Aufrüstung dieser Regime unterstützt Daimler die Unterdrückung von LGBTIQ+ Protesten, beispielsweise den CSD in Istanbul 2019, indirekt und vielleicht auch direkt. Und der CSD Berlin beteiligt sich indirekt daran. Auch wenn der CSD Berlin ein Bleiberecht für bedrohte LGBTIQ+ fordert, um die Abschiebung in gerade solche Staaten zu verhindern, macht er sich durch sein Handeln zum Unterstützer dieser Bedrohung. Auch die deutsche Bank ist involviert in Geschäfte mit Donald Trump, russischen Oligarchen und Saudi-Arabien und stützt somit die Unterdrückung und Ermordung von LGBTIQ+ Aktivisten, wie kürzlich in Russland geschehen.

Eine engagierte Diskussion dieses Themas ist notwendig, sofern der politische Anspruch nicht am Kapital und die Solidarität nicht an nationalen Grenzen scheitern soll. Dirk Tischer, Berlin

Für mehr Akzeptanz

„Der CSD ist eine entpolitisierte Geschichte“, taz vom 27. 7. 2019

Ob beim CSD in Berlin oder wo auch immer eventuell die kommerzielle Schiene gefahren wird oder nicht, sei erst mal dahingestellt! Auch dass es meist am Ende nur eine große Party ist, ist nur ein positiver Nebeneffekt! Viel wichtiger ist es doch, dass die Homos, Bi- und Transsexuellen immer wieder damit ein Zeichen setzen für mehr Akzeptanz! Im Grunde genommen ist es aber traurig, dass solche Veranstaltungen wie der CSD immer noch wichtig sind, um für mehr Akzeptanz zu werben, und das im Jahr 2019 nach Christi. Denn noch heute werden Menschen, nur weil sie das gleiche Geschlecht lieben, angefeindet bis hin zu Tätlichkeiten gegen diese Menschen. Noch heute gibt es Menschen, die dem Glauben verfallen sind, dass Homosexualität eine Krankheit und somit therapierbar sei … ach so, es ist 2019 und nicht das Mittelalter!

Mir wäre es lieber, die CSD-Veranstaltungen wären nur eine große Party, aber leider sind sie auch in diesen Zeiten wichtig als ein politisches Signal für mehr Akzeptanz und Liebe für alle! Und da jede Veranstaltung Geld kostet, ist das auch so beim CSD, und der muss finanziert werden!

René Osselmann, Magdeburg

Schöne Memoirenliteratur

„Er holte die Welt nach Caputh“, taz vom 25. 7. 2019

Es ist schade, dass in Frau Miltz’ schönem Artikel zum Einstein-Haus in Caputh die Gelegenheit verpasst wird, auf die umfangreichen (585 Seiten) Erinnerungen Wachsmanns zu verweisen, die unter folgendem Titel erschienen sind: Michael Grüning, „Der Architekt Konrad Wachsmann. Erinnerungen und Selbstauskünfte“ (Löcker Verlag, Wien 1986). Dieses Werk ist gleichzeitig ein wesentlicher Beitrag zur Memoirenliteratur der zwanziger und dreißiger Jahre mit den Schauplätzen Berlin und Paris. Helmut Schwarzer, Newbury, New Hampshire, USA

Religionsaffine Wissenschaftler

„Das Kreuz mit den Katholiken“, taz vom 24. 7. 2019

taz.die tageszeitung Friedrichstr. 2110969 Berlin briefe@taz.de www.taz.de

Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von Leserbriefen vor.

Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Es verwundert schon sehr, dass die taz nur ein einziges Argument gegen ein katholisches Institut vorbringt: die Benachteiligung homosexueller Menschen bei der Berufung auf eine Theologieprofessur. Warum stellt sie als aufgeklärte Zeitung keine kritischen Fragen zum generellen Stellenwert, den die Politiker der Religion heute immer noch beimessen? Wie kann ein Wissenschaftsrat empfehlen, theologische Fächer an staatlichen Hochschulen auszubauen, während Religion nun wirklich das Gegenteil von Wissenschaft ist?

Da wäre doch zu fragen, wie religionsaffin diese Ratsmitglieder sind und welches Interesse sie an der Aufrechterhaltung und Ausweitung religiösen Glaubens haben. Und warum hat der Senat den Anspruch, die Theologie zu stärken? Angesichts des heutigen Wissens ist es für jede Hochschule peinlich, immer noch diese mittelalterlichen Lehren zu verbreiten. Dies darf ausschließlich den Religionsgemeinschaften vorbehalten sein, die sie in eigener Verantwortung und selbst finanziert verkünden. Silvia Kortmann, Berlin

Alles falsch

„Kick it like Khalida“, taz.de vom 29. 7. 19

„Bis vor gut 40 Jahren war Frauenfußball selbst in Deutschland verboten. Das Verbot hielt bis 1970“, schreibt Lukas Waschbüsch. Sieht man einmal davon ab, dass vor 40 Jahren das Jahr 1979 lief und dass 1970 schon 49 Jahre her ist, würde ich gerne wissen, wo diese stets aufs Neue kolportierten Zahlen eigentlich herkommen, wie sie zu dem Fakt passen, dass beispielsweise der TSV Güglingen 1969 eine Frauenmannschaft gegründet hat und dass der DFB schon überhaupt gar keine Kompetenz hat, Frauen Fußballspielen zu erlauben oder zu verbieten.Thomas Moser, Berlin